Vertreter des AK Labertal im Landesvorstand der Seliger-Gemeinde

Veröffentlicht am 25.09.2016 in Allgemein

Die neue Landesverbandsführung mit „Willy Brandt“ im Karl-Bröger-Zentrum in Nürnberg: Peter Wesselowsky (2.Vors.); Bruno Andreas Dengel (Beisitzer); Herbert Schmid (Beisitzer); Renate Heidler (Beisitzerin) Harald Zahel (Revisor); sitzend Jason Wirth (Jugendvertreter); Rainer Pasta (Beisitzer); sitzend Christa Naaß (Beisitzerin); Christine Haschek (Beisitzerin) und Peter Heidler (1.Vors.)

 

„Nicht die Politik verdirbt den Charakter, sondern schlechte Charaktere verderben die Politik!“

Seliger-Gemeinde bringt die Wiederbelebung der Donau-Schiene auf den Weg - Trauer um Max Mannheimer

Zur Landeskonferenz mit Neuwahlen lud der Landesverband Bayern der Seliger-Gemeinde am 24. September ins Karl-Bröger-Zentrum in Nürnberg. Neben der Bestätigung der bisherigen Führungsriege um Peter Heidler (1.Vors.) und  Peter Wesselowsky (2.Vors.) wurden Bruno Andreas Dengel (Obersüßbach) und Rainer Pasta (Geiselhöring) zu Beisitzern gewählt.  Dengel und Pasta fungieren als Bindeglied zu den Mitgliedern in Südostbayern. Wie bei der letzten Bundesversammlung vereinbart, sollen die ehemaligen Ortsgruppen Regensburg, Straubing und Passau in einer „Regionalgruppe Donau“ wieder belebt werden. Somit bekämen auch den Einzelmitgliedern in Südostbayern wieder Anschluss an den bayerischen Landesverband.

Nach der Begrüßung der Mitglieder aus den bayerischen Ortgruppen durch Vorsitzenden Peter Heidler freute sich der Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly in seinem Grußwort über die Tagung in seiner Stadt und forderte die der Seliger-Gemeinde auf, nicht nur an das Gewesene zu erinnern, sondern die Zukunft aktiv mitzugestalten. Insbesondere das „beängstigende Auseinanderdriften Europas“, bereite ihm Sorge, so Ulrich Maly.

 

Christa Naaß, nach 19jähriger Abgeordnetentätigkeit im Bayerischen Landtag seit Oktober 2013 Stellvertreterin des Bezirkstagspräsidenten in Mittelfranken und Generalsekretärin des Sudetendeutschen Rates berichtete in ihrem Grußwort vom Antrag der SPD im Bezirkstag Mittelfranken zur Initiierung einer Partnerschaft mit der Region Brünn in Tschechien. Der Brünner Oberbürgermeister Ing. Petr Vokřál erhielt den Wenzel-Jaksch-Preis 2016, erinnerte Naaß in diesem Zusammenhang. OB Vokřál habe sich für die Versöhnung von Deutschen und Tschechen eingesetzt und zum 70. Jahrestag des Kriegsendes ein kulturelles Jahresprogramm aufgestellt, mit dem aller Opfer des Krieges gedacht wurde, so Naaß weiter. Leider blockiere die CSU bisher dieses Vorhaben.

„Die Vergangenheit darf sich nicht wiederholen“

Mitten in die Versammlung platze die Nachricht vom Tod Dr. Max Mannheimers. Die Anwesenden gedachten ihrem verstorbenem Mitglied mit einer Schweigeminute. Mannheimer, einem Holocaust-Überlebenden, wurde 2008 der Wenzel-Jaksch-Gedächtnispreis verliehen. Die Gesinnungsgemeinschaft sudetendeutscher Sozialdemokraten würdigte damit das Lebenswerk von Dr. Max Mannheimer.

Max Mannheimer 2012 mit Seliger-Präsident Albert Schläger und Christa Naaß bei der Verleihung des Europäischen Karlspreises der Sudetendeutschen Landsmannschaft

Mannheimer, wurde 1920 in Neutitschein (Novy Jicin), im Dreieck zwischen Olmütz, Ostrau und Zlin, in Mähren geboren. Er lernet in seinem jungen Leben das freundliche Zusammenleben in einer guten Nachbarschaft, das plötzliche Aufbrechen von Distanzierung, Anfeindung und Verfolgung, als ob es nie eine gemeinsame Sprache, gemeinsame Schulstunden und Kinderfreundschaften gegeben habe, kennen. Mannheimers Familie musste das "deutsche Reichsgebiet" verlassen. Zu Beginn des Jahres 1943 wurde Max Mannheimer mit seiner Familie in das Ghetto von Theresienstadt eingewiesen, im Februar nach Auschwitz-Birkenau. Außer ihm und seinem Bruder Edgar hat kein Mitglied der Familie überlebt.

Nach dem Krieg hatte Mannheimer nur noch einen Wunsch, Deutschland so schnell wie möglich zu verlassen und nie wieder einen Fuß auf den Boden dieses Landes zu setzen. Doch seine zweite Frau Elfriede Eiselt überzeugte ihn, dass die Demokratie nach diesem Krieg gerade in Deutschland eine Chance haben müsse. So kamen sie im November 1946 nach München. Erst nach dem Tod seiner Frau 1964 begann Mannheimer, seine Erinnerungen aufzuschreiben. Seitdem war er ständig unterwegs: "Ich komme als Zeuge jener Zeit in die Schulen, nicht als Richter oder Ankläger" – damit hielt der letztlich 96-Jährige die Erinnerung wach und mahnte die junge Generation: „Die Vergangenheit darf sich nicht wiederholen“. Mannheimer erhielt u.a. auch 2012 den Europäischen Karlspreis der Sudetendeutschen Landsmannschaft.

„Flucht und Vertreibung ist eine Geißel der Menschheit“

Peter Heidler, Vorsitzender seit 2009, berichtete in seinem Rückblick u.a. über das Projekt der Seliger-Gemeinde Bayern „Nicht spurlos aus der Geschichte verschwinden. Zeitzeugnisse von Deutschböhmen in Wort und Schrift", welches aus Mitteln des deutsch-tschechischen Zukunftsfonds bezuschusst wurde. Mit der Wahl von Jason Wirth zum Jugendvertreter, bekräftigt die Seliger-Gemeinde Bayern ihre Zukunftsfähigkeit.

Heidler griff auch die aktuelle politische Lage auf, in dem er sich entsetzt zeigte, dass mit der AfD rechtes Gedankengut wieder erstarke, wie er es nie wieder erwartet hatte. „Das Grundgesetz und die Errungenschaften Europas werden plötzlich in Frage gestellt, eine

Spaltung der Gesellschaft vorangetrieben“. Heidler bezeichnete Flucht und Vertreibung als „Geißel der Menschheit“, der sich Deutschland seit ende des Krieges stellen musste. „Seit 1945 haben wir mehr als 24 Mio. Menschen erfolgreich aufgenommen: 12 Mio. Vertriebene, 3 Mio. DDR-Bürger vor und 2 Mio. DDR-Bürger nach 1989, 2 Mio. Balkanflüchtlinge, 3 Mio. Russlanddeutsche, 3,2 Mio. Asylbewerber – und  von den 14 Mio. Gastarbeitern blieben ebenfalls 2 Mio. hier.“ Heidler meinte, Kanzlerin Merkel habe ihren Standpunkt nur unzureichend kommuniziert: Sie hätte treffender gesagt: „Wir schaffen das – in Europa!“

Für den Vorsitzenden des Bayerischen Landesverbandes der Seliger-Gemeinde ist die Abschottung Osteuropas und die stellenweise praktizierte Hinwendung zu Putins Russland unverständlich. Er warf die Frage auf, was die Nationalstaaten tun, um Europa positiv weiter zu entwickeln? Er fragte aber auch, was die Seliger-Gemeinde in der derzeitigen Situation tun könne.

Unser Ziel: ein weltoffenes, solidarisches Europa

Daraus entwickelte sich eine Diskussion, in der sich herauskristallisierte, dass die Seliger-Gemeinde deutlich Position beziehen und offensiv ihren Standpunkt darlegen müsse. Eine Proklamation für ein weltoffenes, solidarisches Europa solle vom Landesverband Bayern für die Ende Oktober stattfindende Bundesversammlung erarbeitet werden. „Die Flüchtlingsproblematik gestaltet sich global und vielschichtig“ so Heidler. Die Antwort könne nur Frieden und Solidarität sein. Integration statt Abschottung müsse die Aufgabe sein. Diese Aufgabe könne nur menschlich satt hasserfüllt angegangen werden. „Frieden in Europa entstand, als Fremde zu Nachbarn wurden. Wir, die wir für ein friedliches und starkes Europa gekämpft haben, müssen uns aktiv einbringen“, so Heidler, der das erschreckende Niveau der Weltpolitik beklagte, dass von den Rechten in Europa ausgehe und in der Kandidatur des deutschstämmigen Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten gipfele. Ein Zitat Volkmar Gaberts stelle dies deutlich dar: „Nicht die Politik verdirbt den Charakter, sondern schlechte Charaktere verderben die Politik!“

Nach den Wahlen und weiteren Berichten zu den Aktivitäten der Landesgruppe lud Peter Heidler die Genossinnen und Genossen zum Jahresseminar (mit Bundesversammlung) der Seliger-Gemeinde 2016 in Bad Alexandersbad vom 28.-30.10.16 ein und es wurde vereinbart, die Vorbereitungssitzung zur Wiederbelebung der „Donauschiene“ am Abend des 28. Oktober in Bad Alexandersbad vorzubereiten und am 19. November in Straubing die Gründungsversammlung abzuhalten.

 

 

  

Projekt 2016 - Schuld & Sühne?

„Historischen Themennachmittage" im Labertal

Die intensive Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ist wichtig um die Gegenwart zu verstehen und der Zukunft zu vertrauen. Der AK Labertal will fundierte Geschichtsbewältigung unter sozialdemokratischen Gesichtspunkten anbieten Es gibt nichts zu glorifizieren, nichts zu beschönigen und schon gar nichts zu rechtfertigen. Wir wollen aber auch nicht anklagen und verurteilen - keiner von uns kann heute sagen, wie er sich selbst verhalten hätte, in einer anderen Zeit.

- Rückblick -
Der SPD-Arbeitskreis Labertal hat mit dem „Historischen Themennachmittag“ zur Schierlinger Muna am 24. Januar 2010 begonnen, sich mit den Ereignissen vor 65 Jahren genauer zu beschäftigen. Neben dem „Wunder von Schierling“ sollt der Blick auch auf die Todesmärsche durch das Labertal gelenkt werden.

Die Brüder Gandorfer beschäftigten den AK am historischen Datum 7. November 2010 in Pfaffenberg.

Im Spätherbst 2011 wurde mit "Die Engel von Laberweinting" erneut an das Thema "65 Jahre Kriegsende" angeknüpft. 62 tote Kinder in nur wenigen Monaten, so die Bilanz des Entbindungs- und Kinderheims für Fremdländische.

Der letzte „Historische Themennachmittag“„GELINZT - Euthanasie- Opfer aus dem Labertal“ fand am 4. März in Geiselhöring statt. Das Thema wurde mit einer Informationsfahrt am 14. April an den Gedenkort Hartheim bei Linz abgerundet.

Die Dokumentationen zu den Themennachmittagen (oder den Bonhoeffer-Wochen) sind unter www.agentur-labertal.de zu bestellen!

Projekt 2015 - Flucht, Vertreibung und Asyl

Flucht, Vertreibung und Asyl 1945 / 2015

Sonstiges

 

120 Jahre BayernSPD - Im Dienst von Freiheit und Demokratie Frauen sind in der rechtsextremen Szene keine Seltenheit mehr – sie sind die „nette“ Nachbarin oder betreiben Biolandbau und verkaufen „Deutschen Honig“ und unterwandern so die Gesellschaft mit neonazistischem Gedankengut. Die Ausstellung „Braune Schwestern“ aus Österreich war 2012 erstmals in Niederbayern zu sehen und beschäftigt sich mit der Symbolik, den Liedern und dem Gedankengut der rechtsextremen Frauenszene.