Verfassungsgerichtsurteil zur Fünf-Prozent-Hürde nicht nachvollziehbar

Veröffentlicht am 09.11.2011 in Europa

Brandbeschleuniger für Rechts- und Linksradikalismus

Bei den Wahlen zum Europäischen Parlament griff bislang in Deutschland die sogenannte „Fünf-Prozent-Hürde“. Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe entschied heute, dass dieses Recht gegen die Grundsätze der Wahlrechtsgleichheit und der Chancengleichheit politischer Parteien verstößt. Bayerns SPD-Abgeordneter im Europäischen Parlament, Wolfgang Kreissl-Dörfler, kann die Meinung des Gerichts nicht nachvollziehen: „Das Urteil wird in Zukunft radikalen und populistischen Parteien einen problemlosen Zugang in das Parlament gewähren, was in anderen Ländern teilweise jetzt schon zu beobachten ist und könnte ihnen helfen, ihre Strukturen zu festigen. Es ist möglich, dass sich das Urteil am Ende als Brandbeschleuniger für Rechts- und Linksradikalismus erweist.“

Ähnlich wie in Italien, Österreich oder Schweden galt bislang auch in Deutschland eine Sperrklausel bei Europawahlen. Neben dem SPD-Europaparlamentarier ist auch der europapolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Dr. Linus Förster, irritiert von dem Urteil aus Karlsruhe: „Die Fünf-Prozent-Hürde hat sich kein Einfaltspinsel ausgedacht, sondern soll eine zu große Zersplitterung in der Parteienlandschaft verhindern und Radikalen den Zugang zu Parlamenten erschweren.“ In Deutschland geht die „Fünf-Prozent-Hürde“ auf die Erfahrungen der Weimarer Republik zurück. Damals saßen 17 Parteien im Reichstag. Die Parteienzersplitterung gilt als ein Grund, warum die Weimarer Republik scheiterte und das Dritte Reich darauf folgen konnte.

Interessant ist das Abstimmungsverhalten der Richter.
Fünf von acht Richtern stimmten für das Urteil, drei dagegen. Zwei wollen die Entscheidung nicht mittragen und veröffentlichten ein Sondervotum: Richter Di Fabio und Mellinghof. In ihrer eigenen Stellungnahme begründen sie fundiert, warum das Urteil durchaus anders hätte ausfallen können. „Nur weil bereits viele Parteien im Europaparlament vertreten sind, kann das kein Grund für das Aufheben der Fünf-Prozent-Hürde sein. Da gebe ich Herrn Di Fabio absolut recht“, kommentiert Kreissl-Dörfler das Minderheitenvotum. Europaexperte Förster ergänzt: „In den kommenden Jahren steht das EU-Parlament vor immensen Herausforderungen und das Bundesverfassungsgericht erschwert durch das Urteil die dortige Entscheidungsfindung, da nach 2014 noch mehr und vermutlich europafeindliche Akteure mitwirken. Daneben schwächt das Urteil auch die deutsche Interessensvertretung in Brüssel.“

Beide bayerischen SPD-Europapolitiker werden natürlich die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts akzeptieren. „In logischer Konsequenz bedeutet dies jedoch, dass wir die Sperrklausel auch bei Landtags- und Bundestagswahlen abschaffen und da stelle ich schon die Frage, ob wir das in Deutschland wirklich wollen“, so Förster. Sein Kollege aus dem EU-Parlament sieht in dem Urteil letzten Endes einen klaren Arbeitsauftrag: „Wir sind nun gefordert ein einheitliches und europaweites Wahlrecht für die Europawahlen zu erarbeiten. Das würde die EU im eigentlichen Sinne demokratisieren und der Vertrag von Lissabon gibt uns auch in Art. 223 Abs. 1 das Recht dazu.“

 

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Projekt 2016 - Schuld & Sühne?

„Historischen Themennachmittage" im Labertal

Die intensive Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ist wichtig um die Gegenwart zu verstehen und der Zukunft zu vertrauen. Der AK Labertal will fundierte Geschichtsbewältigung unter sozialdemokratischen Gesichtspunkten anbieten Es gibt nichts zu glorifizieren, nichts zu beschönigen und schon gar nichts zu rechtfertigen. Wir wollen aber auch nicht anklagen und verurteilen - keiner von uns kann heute sagen, wie er sich selbst verhalten hätte, in einer anderen Zeit.

- Rückblick -
Der SPD-Arbeitskreis Labertal hat mit dem „Historischen Themennachmittag“ zur Schierlinger Muna am 24. Januar 2010 begonnen, sich mit den Ereignissen vor 65 Jahren genauer zu beschäftigen. Neben dem „Wunder von Schierling“ sollt der Blick auch auf die Todesmärsche durch das Labertal gelenkt werden.

Die Brüder Gandorfer beschäftigten den AK am historischen Datum 7. November 2010 in Pfaffenberg.

Im Spätherbst 2011 wurde mit "Die Engel von Laberweinting" erneut an das Thema "65 Jahre Kriegsende" angeknüpft. 62 tote Kinder in nur wenigen Monaten, so die Bilanz des Entbindungs- und Kinderheims für Fremdländische.

Der letzte „Historische Themennachmittag“„GELINZT - Euthanasie- Opfer aus dem Labertal“ fand am 4. März in Geiselhöring statt. Das Thema wurde mit einer Informationsfahrt am 14. April an den Gedenkort Hartheim bei Linz abgerundet.

Die Dokumentationen zu den Themennachmittagen (oder den Bonhoeffer-Wochen) sind unter www.agentur-labertal.de zu bestellen!

Projekt 2015 - Flucht, Vertreibung und Asyl

Flucht, Vertreibung und Asyl 1945 / 2015

Sonstiges

 

120 Jahre BayernSPD - Im Dienst von Freiheit und Demokratie Frauen sind in der rechtsextremen Szene keine Seltenheit mehr – sie sind die „nette“ Nachbarin oder betreiben Biolandbau und verkaufen „Deutschen Honig“ und unterwandern so die Gesellschaft mit neonazistischem Gedankengut. Die Ausstellung „Braune Schwestern“ aus Österreich war 2012 erstmals in Niederbayern zu sehen und beschäftigt sich mit der Symbolik, den Liedern und dem Gedankengut der rechtsextremen Frauenszene.