SPD Landtagsfraktion stellt Konzept der Gemeinschaftsschule vor

Veröffentlicht am 28.03.2012 in Bildung

von links: MdL Martin Güll, Bildungsexperte der SPD-Landtagsfraktion, MdL Reinhold Strobl, MdL Karin Pranghofer, Mitglied im Ausschuss für Bildung, Jugend und Sport, Albert Schindlbeck, BLLV Oberpfalz

Gemeinschaftsschule – Die bessere Antwort für Bayern

Der 18. bayernweite Bildungsdialog der SPD Landtagsfraktion stand ganz im Zeichen der schulischen Zukunft des ländlichen Raums. Die Schule müsse wohnortnah bleiben, damit die Schüler nicht kilometerweite Strecken zu ihrer Schule auf sich nehmen müssen. Das Konzept der Gemeinschaftsschule stellte der Bildungsexperte der SPD Landtagsfraktion, Martin Güll, in Begleitung seiner Landtagskollegin Karin Pranghofer, Mitglied im Ausschuss für Bildung, Jugend und Sport, im Gasthof Forsthof in Kastl vor. Gastgeber dieser Veranstaltung war MdL Reinhold Strobl.

Strobl bedankte sich in seiner Begrüßung für das Interesse und zahlreiche Erscheinen aller an der Bildung Beteiligter. So freute er sich über Vertreter der Kommunen, Lehrerinnen und Lehrer, Elternvertreter und alle Interessierten. Das bayerische Schulsystem sei nicht mehr zeitgemäß. Viele Schulen auf dem Land müssten schließen, der Leistungsdruck für Schülerinnen und Schüler, gerade in den Übertrittsklassen, aber auch aufgrund der komprimierten Stoffvermittlung im G9 werde immer höher. Eltern, Schülerinnen und Schüler und Lehrer leiden gleichermaßen darunter. Deshalb habe die SPD, gemeinsam mit Bildungsexperten aus ganz Deutschland das Konzept der Gemeinschaftsschule entwickelt. Unter dem Leitsatz „Gemeinschaftsschule – Die bessere Antwort für Bayern“ solle dieses Konzept für mehr Bildungsgerechtigkeit in Bayern sorgen und dort eingeführt werden, wo es von allen Beteiligten der Schullandschaft gewünscht wird. Der Abgeordnete verwies dabei auf andere Bundesländer und andere europäische Länder wo sich die Gemeinschaftsschule seit Jahren bewährt habe.

Gründe für die Gemeinschaftsschule

Martin Güll, Bildungsexperte der Fraktion hatte zum besseren Verständnis des Konzepts der Gemeinschaftsschule einen kurzen Film mitgebracht. Damit konnten die Gäste einen ersten Einblick erhalten, wie die Gemeinschaftsschule aussehen könnte. So sollen die Kinder von der Grundschule in die Gemeinschaftsschule ohne Übertrittsdruck wechseln und werden hier von der Jahrgangsstufe 5 bis 10 unterrichtet. Dabei sind alle Schulabschlüsse möglich. „Die Gemeinschaftsschule stellt das Kind mit seiner Individualität in den Mittelpunkt, setzt auf längeres gemeinsames und individuelles Lernen nach dem persönlichen Tempo.

Sie sei damit eine Schule für alle Kinder ohne Aussieben und Schubladendenken. Sie verzichte auf Übertrittszeugnisse und lasse die Kinder in ihrem sozialen Umfeld. In der Gemeinschaftsschule werden die gängigen Schulabschlüsse wie Quali oder mittlere Reife angeboten, besonders leistungsstarke Schülerinnen und Schüler können direkt in eine weiterführende Oberstufe gehen. Dass eine solche Schule nicht von oben verordnet werden kann, sondern sich zusammen mit Eltern, Lehrerinnen und Lehrern, Kommunen entwickeln muss, stellte Güll ebenso heraus, wie die Tatsache, dass die Gemeinschaftsschule zunächst als Antragschule gedacht ist und zwar dort, wo sie von allen Beteiligten gewünscht werde. Die traditionellen Schularten könnten weiterhin bestehen. Ziel sei es, die Gemeinschaftsschule in Bayern als Regelschule anzubieten. Dazu habe die SPD-Landtagsfraktion auch einen entsprechenden Gesetzentwurf in den Bayerischen Landtag eingebracht. Die Gemeinschaftsschule solle auf Antrag der Kommunen und aller Beteiligten in den Gebäuden einer bestehenden Schule eingerichtet werden.

Kommunen ohne Schulen werden veröden

Noch 45 Km bis zur nächsten Schule?“ Das ist nur eine von vielen Fragen, die der SPD Landtagsfraktion unter den Nägeln brennt, wenn es um die Verbesserung der bayerischen Bildungslandschaft geht. Helmut Himmler, Bürgermeister in Berg, eingeladen, um aus seiner Sicht die Bildungssituation auf dem Land darzustellen, betonte: „Wenn uns die Eltern auf dem Land nicht davonlaufen sollen, dann müssen wir die Schulen auf dem Land behalten. Schule ist Standortfaktor und die erste Frage, wenn Familien in eine Gemeinde zuziehen, lautet: Gibt es einen Kindergarten, gibt es eine Schule, am besten noch eine weiterführende, im Ort? Gemeinden, die ihre Schule verlieren, werden veröden“.

Diese These unterstrich auch Albert Schindlbeck vom Bayerischen Lehrerinnen und Lehrer Verband (BLLV) mit Zahlen. In den Landkreisen würden jeweils nur einige Mittelschulen im Bestand erhalten werden.

Lehrerinnen und Lehrer leisten hervorragende Arbeit

Martin Güll betonte mehrfach, dass es in dem Konzept der Gemeinschaftsschule nicht darum ginge, die Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer zu diskreditieren: „Unsere Lehrerinnen und Lehrer leisten hervorragende Arbeit im Rahmen dessen, was das starre dreigliedrige Schulsystem in Bayern zulässt, aber sie würden auch Hervorragendes leisten in einem anderen Schulsystem. Wir wollen nicht alles Bestehende auflösen, aber doch hinterfragen und neues umsetzen wo es gewünscht wird“. Die Art des Lernens sei in einer Gemeinschaftsschule eine andere ebenso wie die Vermittlung des Wissens. Die Lehrerinnen und Lehrer hätten dabei eine begleitende Aufgabe, sie würden Hilfe anbieten und die Lernenden unterstützen. Es gebe keinen Frontalunterricht mehr, sondern selbst gesteuertes und eigenständiges Arbeiten, so der Bildungsexperte weiter. Dabei sei aber auch klar, dass in der Gemeinschaftsschule alle Standards und Abschlüsse des bestehenden bayerischen Schulsystems angeboten werden müssen: „Da lassen wir uns gerne von den Eltern in die Pflicht nehmen“.

Pilotschulen in Denkendorf und Kipfenberg

Gemeinsam mit Bildungsexperten aus ganz Deutschland entwickelten die Bildungsexperten der SPD Landtagsfraktion exemplarisch für die Gemeinden in Denkendorf und Kipfenberg im Landkreis Eichstätt das pädagogische Konzept für eine Gemeinschaftsschule. „Die Gemeinschaftsschule solle dabei keinesfalls die schon bestehenden Schulformen ersetzen, sondern lediglich ein zusätzliches Angebot für die bayerischen Schullandschaft darstellen“, so Martin Güll.

Gemeinschaftsschule ist Ganztagsschule

Die Gemeinschaftsschule ist als gebundene Ganztagesschule geplant, wobei das Konzept drei gebundene ganze Tage und zwei offene Tage vorsieht. So habe man ausreichend Zeit für die individuelle Förderung und könne eine verlässliche Betreuung für berufstätige Eltern anbieten. „Damit werden wir mit der Gemeinschaftsschule auch den Forderungen der Eltern nach einer Ganztagesbetreuung gerecht.“ So der Bildungsexperte. Da die Kinder in der Schule gefördert würden, hätten die Schülerinnen und Schüler nach der Schule auch wirklich Freizeit.

Lebhafte Diskussion

Im Anschluss an die inhaltliche Vorstellung der Gemeinschaftsschule standen Martin Güll und seine Kollegin Karin Pranghofer im so genannten Dialogforum den Fragen der Gäste Rede und Antwort. Durchaus auch kritisch hinterfragten die Anwesenden das Konzept und diskutierten mit den Bildungsexperten. Dabei wurden Nachfragen detailliert geklärt und die wichtigsten Themen noch einmal vertieft beleuchtet. Klar geworden war an diesem Abend, dass die Bildung der Kinder bei allen Überlegungen im Mittelpunkt stehen müsse. Reinhold Strobl bedankte sich bei allen Beteiligten für die sachliche Diskussion und betonte, dass es Zeit sei, die verkrusteten Denkmuster in der Bildung zu überdenken und zeitgemäße Konzepte zuzulassen. Dass das Konzept Gemeinschaftsschule ein sehr komplexes sei und sich in den Köpfen der Menschen erst festsetzen müsse, wollte der Abgeordnete dabei gar nicht verhehlen. Er betonte aber, dass die Zeit reif sei für eine neue Bildungslandschaft in Bayern.



Mehr unter:

www.gemeinschaftsschule-bayern.de

 

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Projekt 2016 - Schuld & Sühne?

„Historischen Themennachmittage" im Labertal

Die intensive Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ist wichtig um die Gegenwart zu verstehen und der Zukunft zu vertrauen. Der AK Labertal will fundierte Geschichtsbewältigung unter sozialdemokratischen Gesichtspunkten anbieten Es gibt nichts zu glorifizieren, nichts zu beschönigen und schon gar nichts zu rechtfertigen. Wir wollen aber auch nicht anklagen und verurteilen - keiner von uns kann heute sagen, wie er sich selbst verhalten hätte, in einer anderen Zeit.

- Rückblick -
Der SPD-Arbeitskreis Labertal hat mit dem „Historischen Themennachmittag“ zur Schierlinger Muna am 24. Januar 2010 begonnen, sich mit den Ereignissen vor 65 Jahren genauer zu beschäftigen. Neben dem „Wunder von Schierling“ sollt der Blick auch auf die Todesmärsche durch das Labertal gelenkt werden.

Die Brüder Gandorfer beschäftigten den AK am historischen Datum 7. November 2010 in Pfaffenberg.

Im Spätherbst 2011 wurde mit "Die Engel von Laberweinting" erneut an das Thema "65 Jahre Kriegsende" angeknüpft. 62 tote Kinder in nur wenigen Monaten, so die Bilanz des Entbindungs- und Kinderheims für Fremdländische.

Der letzte „Historische Themennachmittag“„GELINZT - Euthanasie- Opfer aus dem Labertal“ fand am 4. März in Geiselhöring statt. Das Thema wurde mit einer Informationsfahrt am 14. April an den Gedenkort Hartheim bei Linz abgerundet.

Die Dokumentationen zu den Themennachmittagen (oder den Bonhoeffer-Wochen) sind unter www.agentur-labertal.de zu bestellen!

Projekt 2015 - Flucht, Vertreibung und Asyl

Flucht, Vertreibung und Asyl 1945 / 2015

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120 Jahre BayernSPD - Im Dienst von Freiheit und Demokratie Frauen sind in der rechtsextremen Szene keine Seltenheit mehr – sie sind die „nette“ Nachbarin oder betreiben Biolandbau und verkaufen „Deutschen Honig“ und unterwandern so die Gesellschaft mit neonazistischem Gedankengut. Die Ausstellung „Braune Schwestern“ aus Österreich war 2012 erstmals in Niederbayern zu sehen und beschäftigt sich mit der Symbolik, den Liedern und dem Gedankengut der rechtsextremen Frauenszene.