„Mit der Energiewende vor Ort Ernst machen“

Veröffentlicht am 02.05.2012 in Umwelt

MdB Florian Pronold (Mitte) mit SPD-Mitgliedern aus dem Landkreis Landshut am Solarfeld Oberndorf

Die SPD besuchte mit MdB Florian Pronold das Solarfeld Oberndorf

Kaum ein Thema polarisiert spätestens seit Fukushima die politische Landschaft der Bundesrepublik derart wie die Frage nach der Deckung des Energiebedarfs nach dem Ausstieg aus der Atomkraft. Während jedoch in weiten Kreisen noch Unsicherheit über konkrete Maßnahmen herrscht, demonstrieren erste Pionierprojekte den Willen zum Umstieg auf erneuerbare Energien. Unter diesen befindet sich das Solarfeld Oberndorf, welches die lokalen SPD-Gruppierungen gemeinsam mit dem Bundestagsabgeordneten Florian Pronold am vergangenen Samstag besichtigten.

Solarfeld Oberndorf

Mitten zwischen den Feldern um Bodenkirchen blitzen dem sich nähernden Besucher nun auf einer Fläche von 150 mal 130 Metern Solarkollektoren entgegen. Dort hat sich Andreas Engl dazu entschieden, einen „ehemaligen Maisacker schöner zu nutzen“. Bereits während seines Bachelorstudiums war ihm der Gedanke gekommen einen Teil zur Energiewende beizutragen, der sich dann innerhalb der nächsten zweieinhalb Jahre zu dem nun errichteten Solarfeld konkretisierte, welches in den nächsten Wochen den Betrieb aufnehmen soll. Im Gegensatz zum vorigen „Maisacker“ soll dieses 25 Mal mehr Energie produzieren und das Ökosystem stabil halten, sowie das Grundwasser sauber.

Das Weinberg-Prinzip

Hier kommt das Besondere am Oberndorfer Solarfeld ins Spiel: Das von Engl im Rahmen seiner Abschlussarbeit entwickelte „Weinberg-Prinzip“ soll nach dessen Aussage „Technologien Erneuerbarer Energien in die Landschaft unter Berücksichtigung der jeweiligen Flora und Fauna, sowie des Landschaftsbildes“ integrieren. So werden auf der 2,6 Hektar großen Fläche neben den Solarkollektoren heimische Pflanzen gesetzt, was vielen gefährdeten Arten einen wichtigen Lebensraum schaffen soll. Durch Steinaufschüttungen und Trockenmauern finden beispielsweise heimische Reptilien ein Refugium. Um das Gras kurz zu halten, erwägt Engl die Fläche beweiden zu lassen. Dank der Mithilfe von Schülern der Mittelschule Vilsbiburg wurden bereits Nistkästen und Insektenhotels installiert und Schüler des Sonderpädagogischen Zentrums Bonbruck bepflanzten die Ränder des Solarfeld mit Bäumen. Gemeinsam mit der Bund Naturschutz Jugendgruppe Landshut freuen sich Greifvögel über einige Sitzwarten auf dem Areal. Weitere Kooperationen sind bereits geplant.

Bürokratische Hürden

Der anwesende Bundestagsabgeordnete der SPD Florian Pronold nannte das Projekt Engls ein „ausgezeichnetes Beispiel für die Verbindung von Naturschutz und Energieerzeugung“. Er kritisierte weiter die Bundesregierung dafür, die Energiewende „hinten und vorne nicht auf die Reihe zu bekommen“. So sei weder die Frage nach einem Übergangsszenario geklärt, noch ernsthafter Durchsetzungswille beim Umstieg auf erneuerbare Energien zu erkennen. Das bekam auch Engl zu spüren, der angefangen von diversen Problemen bei der Baugenehmigung über vielfältige Auflagen bis hin zur Kreditbewilligung für das Solarfeld mit einer Vielzahl von Stolpersteinen zu kämpfen hatte. Dass die „praktische Umsetzung der Energiewende oft an bürokratischen Hürden scheitert“, betonte auch die SPD-Kreisvorsitzende Ruth Müller und konstatierte, dass „Durchhaltevermögen und Nerven bei weitem nicht ausreichend“ seien.

So stellte die Ankündigung des Bundesumweltministers Nobert Röttgen im März die Solarförderung des Bundes im Rahmen des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) deutlich zu kürzen die stärkste Bedrohung der Planung dar. Durch die nun beschlossene, bis Ende September gültige Übergangsregelung blieb das Finanzierungskonzept schließlich erhalten.

Solche „willkürlichen Änderungen über Nacht“ bezeichnete Pronold als „Unsinn“. Viel mehr gehe es darum, die Subventionen langsam herunterzufahren und somit für alle Beteiligten Planungssicherheit zu gewährleisten. Auch die Privatisierung des Energieunternehmens „Bayernwerk“ Mitte der 90er Jahre machte der Vorsitzende der bayerischen SPD für die schwache Umsetzung der Energiewende im Freistaat verantwortlich, da somit ökonomische Geischtspunkte ökologisch sinnvolle Maßnahmen verhindern würden.

Unterstützung der Stadt Vilsbiburg

Den Vilsbiburger Stadtrat konnte Engl von dem „Weinberg-Prinzip“ überzeugen, weshalb dieser im letzten Jahr beschlossen hatte, sich mit 10 Prozent der Kosten oder 170 000 Euro an dem Feld mit einer Bausumme von 1,7 Millionen Euro zu beteiligen. Die aufkommende Gewerbesteuer wird zwischen Bodenkirchen und Vilsbiburg aufgeteilt werden und kann sich somit langfristig zu einer Einnahmequelle entwickeln. Der zweite Bürgermeister der Stadt Vilsbiburg, Johann Sarcher, erinnerte daran, dass die „Klimakommune Vilsbiburg“ es ernst meine mit ihren „ehrgeizigen Plänen“.

Windrad am Zeilinger Berg

Eines der entscheidenden Projekte in dieser Richtung, das Windrad am Zeilinger Berg, ist jedoch nun seit einiger Zeit ins Stocken geraten (die VZ berichtete), da die beim Oberverwaltungsgericht München anhängige Klage immer noch nicht bearbeitet wurde. Diese soll das Hindernis eines „Pannenstreifens“ für Flugezeuge der Bundeswehr über dem Bauplatz aus dem Weg räumen. Zu einem zusätzlichen Problem könnte angesichts des Sportflugplatzes an der B388 die geplante Ausdehnung des Sicherheitsraumes um Flughäfen werden.

Strom für 220 Haushalte

Nach Aussage des Bauherren wird es ungefähr 10 Jahre dauern bis sich die Baukosten des Oberndorfer Solarfelds, welches Strom für ungefähr 220 Haushalte bereitsstellt, amortisiert haben. Die Energierücklaufzeit während der die zur Produktion der Module aufgewandte Energie wieder hereingewirtschaftet wird, dauert aufgrund des Imports aus China und der dortigen, vergleichsweise schlechten Energiebilanz, acht Jahre. Einig waren sich die anwesenden Sozialdemokraten bei der anschließenden Brotzeit darin, dass es noch mehr solcher Projekte bedarf, um „endlich mit der Energiewende vor Ort Ernst zu machen“, wie Pronold betonte.

von Julian Jopp / Vilsbiburger Zeitung 01.05.2012

 

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Projekt 2016 - Schuld & Sühne?

„Historischen Themennachmittage" im Labertal

Die intensive Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ist wichtig um die Gegenwart zu verstehen und der Zukunft zu vertrauen. Der AK Labertal will fundierte Geschichtsbewältigung unter sozialdemokratischen Gesichtspunkten anbieten Es gibt nichts zu glorifizieren, nichts zu beschönigen und schon gar nichts zu rechtfertigen. Wir wollen aber auch nicht anklagen und verurteilen - keiner von uns kann heute sagen, wie er sich selbst verhalten hätte, in einer anderen Zeit.

- Rückblick -
Der SPD-Arbeitskreis Labertal hat mit dem „Historischen Themennachmittag“ zur Schierlinger Muna am 24. Januar 2010 begonnen, sich mit den Ereignissen vor 65 Jahren genauer zu beschäftigen. Neben dem „Wunder von Schierling“ sollt der Blick auch auf die Todesmärsche durch das Labertal gelenkt werden.

Die Brüder Gandorfer beschäftigten den AK am historischen Datum 7. November 2010 in Pfaffenberg.

Im Spätherbst 2011 wurde mit "Die Engel von Laberweinting" erneut an das Thema "65 Jahre Kriegsende" angeknüpft. 62 tote Kinder in nur wenigen Monaten, so die Bilanz des Entbindungs- und Kinderheims für Fremdländische.

Der letzte „Historische Themennachmittag“„GELINZT - Euthanasie- Opfer aus dem Labertal“ fand am 4. März in Geiselhöring statt. Das Thema wurde mit einer Informationsfahrt am 14. April an den Gedenkort Hartheim bei Linz abgerundet.

Die Dokumentationen zu den Themennachmittagen (oder den Bonhoeffer-Wochen) sind unter www.agentur-labertal.de zu bestellen!

Projekt 2015 - Flucht, Vertreibung und Asyl

Flucht, Vertreibung und Asyl 1945 / 2015

Sonstiges

 

120 Jahre BayernSPD - Im Dienst von Freiheit und Demokratie Frauen sind in der rechtsextremen Szene keine Seltenheit mehr – sie sind die „nette“ Nachbarin oder betreiben Biolandbau und verkaufen „Deutschen Honig“ und unterwandern so die Gesellschaft mit neonazistischem Gedankengut. Die Ausstellung „Braune Schwestern“ aus Österreich war 2012 erstmals in Niederbayern zu sehen und beschäftigt sich mit der Symbolik, den Liedern und dem Gedankengut der rechtsextremen Frauenszene.