MdEP Ismail Ertug kritisiert deutsches Krisenmanagement beim EHEC-Ausbruch
Erst vor wenigen Wochen hatte sich der Oberpfälzer Europaabgeordnete Ismail Ertug für eine strikte Verringerung des Antibiotikaeinsatzes in der Nutztierhaltung ausgesprochen, durch die aggressiven, antibiotikaresistenten EHEC-Keime wurde die Notwendigkeit einer Reglementierung auf dramatische Weise eingeholt. „Das bleibt von EHEC: Familien trauern um ihre Angehörigen, gut tausend Erkrankte müssen den Rest ihres Lebens mit Dialyse leben; ein Imageschaden für zu Unrecht an den Pranger gestellte Produzenten und finanzielle Einbußen, gar ein Import-Stopp Russlands; Verbraucher wurden durch mehrmals revidierte Schuldzuweisungen verunsichert“, so Ismail Ertug im aktuellen Newsletter der bayerischen SPD-EU-Parlamentarier.
Das EHEC-Bakterium hat ein beispielloses Chaos zutage gebracht. Die planlose Weitergabe von Informationen durch deutsche Bundes- und Landesministerien, betroffene Bürgermeister, Krankenhäuser sowie das Robert-Koch-Institut hat zu unterschiedlichen Aussagen und großer Verwirrung geführt. Zudem hat Deutschlands Regierung zu lang auf das Fachwissen ausländischer Experten verzichtet, wodurch der in letzter Zeit häufig geäußerte Vorwurf der “deutschen Arroganz” neuen Aufwind bekam.
Fragwürdig ist auch, dass Deutschlands neuer Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) bei der Tagung der Gesundheitsminister zu EHEC fehlte. "Hatte er tatsächlich Wichtigeres zu tun", fragt Ismail Ertug. Auf EU-Ebene unterstützen die Sozialdemokraten die geplanten Ausgleichszahlungen für Gemüseerzeuger, die im Rat der Landwirtschaftsminister verhandelt werden.
Im Zusammenhang mit dem resistenten EHEC-Bakterium ist auch die kürzlich verabschiedete Stellungnahme zur Antibiotikaresistenz zu erwähnen: Verminderter Einsatz ist notwendig, um Antibiotika weiterhin nutzen zu können.
EHEC verdrängte eine Debatte zu gentechnisch veränderten Organismen von der Tagesordnung, die voraussichtlich in der Juli-Sitzung nachgeholt wird.