Griechenland-Kredithilfe im Deutschen Bundestag

Veröffentlicht am 07.05.2010 in Bundespolitik

Oberpfälzer SPD-Abgeordnete enthalten sich der Stimme.
Griechenland-Politik der Bundesregierung destabilisiert die Eurozone.

Bei der heutigen Abstimmung zum sogenannten Währungsunion-Finanzstabilitätsgesetz im Deutschen Bundestag haben sich die beiden Oberpfälzer SPD-Abgeordneten der Stimme enthalten.
MdB Werner Schieder (Weiden) erklärt dazu:
Ich halte die Kredithilfe der Euro-Länder gegenüber Griechenland ausdrücklich für richtig und notwendig. Allerdings teile ich in keinster Weise die politischen Konditionierungen, die die Bundesregierung mit dieser Kreditgewährung verbindet. Die Griechenland-Politik der Bundesregierung ist fatal, verantwortungslos und verlogen. Schon durch ihr Zögern, Verweigern und ihr monatelanges Verwirrspiel mit Blick auf die am Wochenende anstehenden NRW-Wahlen trägt sie eine erhebliche Mitschuld an der Zuspitzung der Euro-Krise. Die Risikoaufschläge auf griechische Staatsanleihen sind erst durch diese Verunsicherung der Finanzmärkte in Rekordhöhen gestiegen, so dass Griechenland sich nicht mehr zu vertretbaren Zinsen refinanzieren kann."

Die Griechenland-Politik der Bundesregierung ist nicht geeignet, die Eurozone zu stabilisieren - im Gegenteil! Mit den von der Bundesregierung durchgesetzten brutalen Sparmaßnahmen wird die griechische Wirtschaft weiter in die Knie gezwungen. Die Ankündigung des Rettungspakets für Griechenland hat die Turbulenzen auf den Finanzmärkten nicht gemindert, sondern jüngst Spekulationen gegen die Euroländer Portugal und Spanien befördert. Die Eurozone ist also weiter in Gefahr. Eine Zustimmung ist mir deshalb nicht möglich, weil ich nicht in die Nähe dieser falschen Politik gerückt werden möchte.Meine Stimmenthaltung verbinde ich mit der politischen Forderung der effektiven und dauerhaften Stabilisierung der Eurozone. Dazu gehört:
  • Die Eurozone muss eine institutionelle Lösung dafür bereitstellen, dass alle Länder der Eurozone Kredite zu vernünftigen Zinsen bekommen, auch jenseits der spekulativen Kapitalmärkte (z.B. durch Euro-Anleihen). Alle Länder der Eurozone müssen ein für allemal garantiert werden. Regulierung und Krisenkostenbeteiligung der Finanzmarktakteure müssen durchgesetzt werden.
  • Griechenland muss sich zwar einschränken und „sparen“, das den Griechen aufoktroyierte Austeritätsprogramm ist aber völlig überzogen und wird verheerende wirtschaftliche und soziale Auswirkungen haben. Das Ziel, das Defizit zu senken, wird so nicht erreicht werden. Ein massiver Lohn- und Nachfrageeinbruch in ganz Südeuropa als zwangsläufige Folge solcher Politik, durchzusetzen, wird die Eurozone für ein Jahrzehnt zu einer Zone von Stagnation und Deflation und Sozialabbau machen-auch bei und in Deutschland. Hier ist eine Kurskorrektur auch in unserem Interesse zwingend.
  • Die einseitige Fixierung auf staatliche Defizite ist aufzugeben. Stattdessen sind die Ungleichgewichte in Wettbewerbsfähigkeit und Leistungsbilanzen in den Focus zu nehmen, die den entscheidenden Hintergrund für die Krise der Eurozone bilden. Hier müssen sich alle Länder bewegen, nicht nur Griechenland. Hier braucht vor allem Deutschland einen Kurswechsel hin zu einer dauerhaften Ausweitung der Binnennachfrage und einer expansiveren Lohnpolitik.
Ein Nein kommt für mich deshalb nicht in Frage, weil Griechenland dringend die Kredithilfe im Interesse der Stabilität der gesamten Eurozone benötigt und weil ich politisch nichts mit jenen gemein habe, die in den letzten Monaten ein beschämendes Schauspiel der Beschimpfung des griechischen Volkes betrieben haben oder der Meinung waren, das alles sei nur ein Problem oder die alleinige Schuld Griechenlands“.
MdB Marianne Schieder (Wernberg) erklärt zu ihrer Enthaltung: "Als Sozialdemokratin ist es mir ein wichtiges Anliegen, dass der Euro stabil bleibt. Daher brauchen wir ein schnelles und verantwortliches Handeln. Die Regierung hat viel zu lange gezögert und erst sehr spät eine Richtung vorgebeben. Frau Merkel hat mit ihrem Zögern das Vertrauen in Deutschlands Europapolitik zerstört. Wir brauchen Klarheit, um den Spekulanten Einhalt zu gebieten. Daher bin ich nicht gegen die Hilfe für Griechenland, aber gegen einen Blankoscheck, der lediglich Spekulanten eine beschränkte Haftung ermöglicht. Ich will, dass diejenigen, die verantwortlich sind für die Krise, die Kosten tragen. Es darf nicht sein, dass dieses Krise nur auf Kosten der Bevölkerung gelöst wird. Gerade Banken haben mit riskanten Spekulationen und gefährlichen Finanztransaktionen die aktuelle Krise massiv beschleunigt. Deshalb haben wir als SPD von der Bundesregierung drastische Schritte gefordert, um in Europa gemeinsam mit den anderen Mitgliedsstaaten eine Finanzmarktsteuer einzuführen. Deutschland hat eine Schlüsselstelle bei der Lösung der Griechenlandkrise. Jetzt hätte die Bundesregierung diese Chance nutzen und endlich tatkräftig handeln können. Es gilt, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen, die Krise einzudämmen, Lasten gerecht zu verteilen und Europa wieder auf einen guten Weg zu bringen. Dieser Weg sollte zu einem starken Europa führen, zu einem Europa mit Gestaltungsspielraum und zu einem sozialen Europa. Ich habe mich gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen der SPD-Fraktion bei der heutigen Abstimmung zum Währungsunion-Finanzstabilisierungsgesetz enthalten. Leider war es mit der Bundesregierung nicht möglich, einen Weg zu finden, der zum Wohle der breiten Masse unserer Bevölkerung ist. Griechenland braucht Hilfe. Aber in einer Form, mit der auch die Ursachen bekämpft werden. Daher ist für mich und meine Fraktion die Hilfe an Griechenland klar mit dem Willen zur Einführung eine Finanztransaktionssteuer gekoppelt. Die sogenannte christlich-liberale Koalition zeigt mit der Ablehnung dieser Forderung erneut, dass sie ihrem Namen in keiner Weise gerecht wird, und wieder einmal völlig unverantwortlich handelt. Die Hilfe allein nützt leider nichts, da CDU/CSU und FDP nichts tun, um den waghalsigen Finanzspekulationen Einhalt zu gebieten. Sie verteilt das Risiko der Hilfe einzig und allein auf die Bürgerinnen und Bürger. So ist es leider nur eine Frage der Zeit, bis wir in die nächste Krise schlittern."
 

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Projekt 2016 - Schuld & Sühne?

„Historischen Themennachmittage" im Labertal

Die intensive Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ist wichtig um die Gegenwart zu verstehen und der Zukunft zu vertrauen. Der AK Labertal will fundierte Geschichtsbewältigung unter sozialdemokratischen Gesichtspunkten anbieten Es gibt nichts zu glorifizieren, nichts zu beschönigen und schon gar nichts zu rechtfertigen. Wir wollen aber auch nicht anklagen und verurteilen - keiner von uns kann heute sagen, wie er sich selbst verhalten hätte, in einer anderen Zeit.

- Rückblick -
Der SPD-Arbeitskreis Labertal hat mit dem „Historischen Themennachmittag“ zur Schierlinger Muna am 24. Januar 2010 begonnen, sich mit den Ereignissen vor 65 Jahren genauer zu beschäftigen. Neben dem „Wunder von Schierling“ sollt der Blick auch auf die Todesmärsche durch das Labertal gelenkt werden.

Die Brüder Gandorfer beschäftigten den AK am historischen Datum 7. November 2010 in Pfaffenberg.

Im Spätherbst 2011 wurde mit "Die Engel von Laberweinting" erneut an das Thema "65 Jahre Kriegsende" angeknüpft. 62 tote Kinder in nur wenigen Monaten, so die Bilanz des Entbindungs- und Kinderheims für Fremdländische.

Der letzte „Historische Themennachmittag“„GELINZT - Euthanasie- Opfer aus dem Labertal“ fand am 4. März in Geiselhöring statt. Das Thema wurde mit einer Informationsfahrt am 14. April an den Gedenkort Hartheim bei Linz abgerundet.

Die Dokumentationen zu den Themennachmittagen (oder den Bonhoeffer-Wochen) sind unter www.agentur-labertal.de zu bestellen!

Projekt 2015 - Flucht, Vertreibung und Asyl

Flucht, Vertreibung und Asyl 1945 / 2015

Sonstiges

 

120 Jahre BayernSPD - Im Dienst von Freiheit und Demokratie Frauen sind in der rechtsextremen Szene keine Seltenheit mehr – sie sind die „nette“ Nachbarin oder betreiben Biolandbau und verkaufen „Deutschen Honig“ und unterwandern so die Gesellschaft mit neonazistischem Gedankengut. Die Ausstellung „Braune Schwestern“ aus Österreich war 2012 erstmals in Niederbayern zu sehen und beschäftigt sich mit der Symbolik, den Liedern und dem Gedankengut der rechtsextremen Frauenszene.