Aufgrund der steigenden Flüchtlingszahlen forderten die Sozialdemokraten in der Debatte um die zukünftige europäische Flüchtlingspolitik von den EU-Kommissaren bereits am Dienstag in Straßburg den Druck auf die Mitgliedstaaten durch weitreichende Vorschläge zu erhöhen. „Wenn die Mitgliedstaaten noch länger warten und nicht endlich gemeinsam agieren, dann nehmen sie wissentlich den Tot weiterer Flüchtlinge und Elend in Kauf“, ärgert sich der SPD-Europaabgeordnete Ismail Ertug.
Aufgrund der fortgesetzten Zuwanderung weiterer Flüchtlinge hat die EU-Kommission am Dienstag neue Pläne besprochen, die über die Vorschläge vom Mai hinausgehen. Offiziell wurden diese jedoch erst im Parlament am Mittwoch früh vorgestellt. So wurde unter anderem die Umverteilung von zusätzlichen 120.000 Asylbewerbern aus den besonders stark betroffenen Staaten Griechenland, Italien und Ungarn diskutiert. Zudem stand ein Vorschlag für einen permanenten Verteilungsmechanismus im Falle von starkem Andrang (Notfallmechanismus) auf der Tagesordnung. "Entscheidend ist, dass die Kommission den Rat endlich unter Zugzwang setzt und zum Handeln bewegt. Die Staats- und Regierungschefs sind jetzt gefordert in dieser Krise ein kollektives Zeichen der Menschlichkeit zu setzen", so Ismail Ertug.
Da vorerst nicht mit einem Rückgang der Flüchtlingszahlen zu rechnen sei, würden aber auch die neuesten Pläne nicht ausreichen. "Die aktuelle Krise zeigt: Dublin hat ausgedient! Wir brauchen eine nachhaltige gesamteuropäische Lösung, mit einem verbindlichen Verteilungsschlüssel für Flüchtlinge in allen EU-Mitgliedstaaten, legalen Schutzwegen nach Europa sowie angemessenen Standards für die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen und Asylbewerbern." so Ertugs Kollegin Birgit Sippel,innenpolitische Sprecherin der Sozialdemokraten im Europäischen Parlament.
Bereits im Mai hatte die EU-Kommission Vorschläge für eine zunächst kurzfristige Verteilung von 40.000 Flüchtlingen aus Italien und Griechenland vorgelegt. Aufgrund der abwehrenden Haltung einiger Mitgliedstaaten konnte sich der Rat aber nur auf eine freiwillige Aufnahme von rund 32.000 Schutzsuchenden einigen. "Ein Armutszeugnis für die europäische Solidarität: Der Rat stellt weiterhin nationale Egoismen vor Fragen der Humanität", so Ismail Ertug und Birgit Sippel abschließend.