Auftakt zum Flossenbürger Forum in Berlin

Veröffentlicht am 01.10.2014 in Presse

vl: MdB Uli Grötsch, MdB Marianne Schieder, Dr. Jack Terry, Dr. Jörg Skriebeleit, Uwe Neumärkter

An einer Lesung der besonderen Art durften die beiden oberpfälzer SPD-Bundestagsabgeordneten Marianne Schieder und Uli Grötsch in Berlin teilnehmen. Die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg stellten in der Bayerischen Landesvertretung das Buch „Elf Jahre. Ein Bericht aus deutschen Konzentrationslagern“ des ehemaligen Häftlings Carl Schrade erstmals vor.

Zu Ehren des Autors Carl Schrade reiste Dr. Jack Terry, Sprecher der ehemaligen Häftlinge des Konzentrationslagers Flossenbürg, aus New York an und erzählte den Gästen seine bewegende Geschichte. Der selbst in Gefangenschaft gehaltene Carl Schrade hat mit Hilfe des Häftlingsschreibers Milos Kucera den damals 15-jährigen Jack Terry in den Tagen vor der Befreiung versteckt und ihm eine neue Identität gegeben. Das rettete ihm das Leben und er wurde zum jüngsten überlebenden Häftling des Konzentrationslagers Flossenbürg.

„Diese zwei Personen sind die Wichtigsten meines Lebens“, dankte Jack Terry während er sein Handgelenk hoch hielt, an dem er Carl Schrades Uhr trug und damit tiefste Verbundenheit zeigte. Diese hat Terry, als er Schrade nach dem Krieg in Zürich ausfindig machen konnte, zum Abschied mit den Worten „ich wünsche dir eine gute Zeit“ geschenkt bekommen.

Noch gerührt von Terrys Erzählungen, führte der Leiter der KZ-Gedenkstätte Dr. Jörg Skriebeleit mit biographischen Eckdaten des Autors in die Lesung ein und betonte die Besonderheit dieses frühen Zeitdokuments.

Der ehemalige Häftling Carl Schrade (1896 – 1974) verfasste kurz nach seiner Befreiung aus dem KZ Flossenbürg einen Bericht über die vergangenen elf Jahre: Bis 1934 verbüßte er mehrere Haftstrafen wegen Eigentumsdelikten, danach wies ihn die Gestapo in das KZ Lichtenburg ein. Es folgten Esterwegen, Sachsenhausen, Buchenwald und Flossenbürg, wo er über sechs Jahre gefangen war. Schrade beschreibt die Gewaltexzesse der SS und erinnert auch an das Schicksal zahlreicher Mitgefangener. Seine Erinnerungen bilden den Auftakt zum Flossenbüger Forum. Mit ihnen wird erstmals die Stimme eines als „Berufsverbrecher“ verfolgten NS-Opfers laut.

Der Schauspieler und Regisseur Bernd-Michael Lade verlieh für die Lesung seine Stimme und ließ die Gäste an Carl Schrades Gedankengut teilhaben.

Tief bewegt von dem Abend machte MdB Marianne Schieder in einem anschließenden Gespräch mit Dr. Jack Terry und Dr. Jörg Skriebeleit deutlich, welch große Bedeutung solche Zeitzeugenberichte für die Aufarbeitung unserer Geschichte haben. „Wir müssen versuchen, so viel wie nur möglich mit lebenden Zeitzeugen zusammenzuarbeiten, denn bald wird dies nicht mehr möglich sein und damit der direkte Bezug verloren gehen“, betonte MdB Marianne Schieder.

Der Weidener Bundestagsabgeordnete Uli Grötsch und seine Schwandorfer Kollegin dankten Dr. Jörg Skriebeleit, dem Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg für seinen Einsatz und seine wertvolle Arbeit uns sicherten ihm ihre weitere Unterstützung zu.

 

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Projekt 2016 - Schuld & Sühne?

„Historischen Themennachmittage" im Labertal

Die intensive Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ist wichtig um die Gegenwart zu verstehen und der Zukunft zu vertrauen. Der AK Labertal will fundierte Geschichtsbewältigung unter sozialdemokratischen Gesichtspunkten anbieten Es gibt nichts zu glorifizieren, nichts zu beschönigen und schon gar nichts zu rechtfertigen. Wir wollen aber auch nicht anklagen und verurteilen - keiner von uns kann heute sagen, wie er sich selbst verhalten hätte, in einer anderen Zeit.

- Rückblick -
Der SPD-Arbeitskreis Labertal hat mit dem „Historischen Themennachmittag“ zur Schierlinger Muna am 24. Januar 2010 begonnen, sich mit den Ereignissen vor 65 Jahren genauer zu beschäftigen. Neben dem „Wunder von Schierling“ sollt der Blick auch auf die Todesmärsche durch das Labertal gelenkt werden.

Die Brüder Gandorfer beschäftigten den AK am historischen Datum 7. November 2010 in Pfaffenberg.

Im Spätherbst 2011 wurde mit "Die Engel von Laberweinting" erneut an das Thema "65 Jahre Kriegsende" angeknüpft. 62 tote Kinder in nur wenigen Monaten, so die Bilanz des Entbindungs- und Kinderheims für Fremdländische.

Der letzte „Historische Themennachmittag“„GELINZT - Euthanasie- Opfer aus dem Labertal“ fand am 4. März in Geiselhöring statt. Das Thema wurde mit einer Informationsfahrt am 14. April an den Gedenkort Hartheim bei Linz abgerundet.

Die Dokumentationen zu den Themennachmittagen (oder den Bonhoeffer-Wochen) sind unter www.agentur-labertal.de zu bestellen!

Projekt 2015 - Flucht, Vertreibung und Asyl

Flucht, Vertreibung und Asyl 1945 / 2015

Sonstiges

 

120 Jahre BayernSPD - Im Dienst von Freiheit und Demokratie Frauen sind in der rechtsextremen Szene keine Seltenheit mehr – sie sind die „nette“ Nachbarin oder betreiben Biolandbau und verkaufen „Deutschen Honig“ und unterwandern so die Gesellschaft mit neonazistischem Gedankengut. Die Ausstellung „Braune Schwestern“ aus Österreich war 2012 erstmals in Niederbayern zu sehen und beschäftigt sich mit der Symbolik, den Liedern und dem Gedankengut der rechtsextremen Frauenszene.