Im Gespräch mit Bürgerinnen und Bürgern: SPD-Ortsvorsitzender Johannes Faden (Mitte hinten) und Moderator Rainer Pasta (li.)
Geiselhöring braucht einen Energiemix aus Wasser, Sonne, Wind und Biomasse
SPD lud zum Energiegipfel ein – Stadt soll mit Nachbarkommunen zusammenarbeiten
„Die Energiewende ist beschlossene Sache und das Zeitfenster für kommunale Initiativen wird Tag für Tag kleiner. Nur gemeinsam können die Gemeinden, im Verbund mit bestehenden Stadtwerken, den Bürgern stabile Preise und Sicherheit bieten“, so das Fazit des ersten Geiselhöringer Energiegipfels zu dem die SPD die Bürgerinnen und Bürger am vergangenen Mittwoch ins Gasthaus Hagn in Sallach eingeladen hatte. Neben bestehenden Solar- und Biogasanlagen soll das Potential von Wind und Wasser ausgeschöpft und Anreize zum Energiesparen gegeben werden. Klappen kann das jedoch nur, wenn die Stadt sich im Verbund mit den Nachbargemeinden und leistungsfähigen Stadtwerken in Straubing, Landshut oder Regensburg den Herausforderungen der Zukunft stellt und von Seiten des Landratsamtes schnell verlässliche Planungsvorgaben erlassen würden, so die Forderung der Geiselhöringer SPD, basierend auf den Ergebnissen des Bürgergesprächs.
„Nach dem der Atomausstieg nun beschlossene Sache ist und die Investoren in den Startlöchern stehen, muss die Stadt Geiselhöring die enorme Herausforderungen - etwa bei der Suche nach Standorten für Energieanlagen - aufgreifen und zusammen mit den Nachbargemeinden und dem Landratsamt tätig werden. Doch dazu müssen die Bürger klar definieren, welchen Energiemix sie für ihre Stadt in Zukunft wollen“, so Moderator Rainer Pasta zu Beginn der Diskussion. „Es kann nicht sein, dass die einen etwas bauen wollen und anderen sofort dagegen sind. So werden wir die Wende nicht schaffen. Insbesondere die Stadträte müssen mit den Bürgern ein zukunftsfähiges Konzept erarbeiten, sonst laufen sie Gefahr bei Investitionsvorhaben zwischen Befürwortern und Gegnern zerrieben zu werden“, so Pasta weiter. Der Anteil der erneuerbaren Energien bei der Stromgewinnung in Bayern soll sich von einem Viertel auf die Hälfte erhöhen – das bedeutet den Bau von Solarkollektoren, Wasserkraftwerken, Pumpspeicherkraftwerken, Biomasse-Anlagen, Windrädern und Geothermie-Anlagen. Welchen Weg dabei Geiselhöring gehen soll, wollte die Geiselhöringer SPD von den Bürgerinnen und Bürgern wissen. Grundsätzlich waren sich die Teilnehmer der Diskussionsrunde einig, dass die sich abzeichnende Allianz der großen Energieversorgungsunternehmen mit der russischen Gasprom die schlechteste Lösung für die Verbraucher sein wird. „Die Abhängigkeit von den vier Großen (EON, RWE, EnBw und Vattenfall) und dem russischen Gaslieferanten wird Atomenergie zwar ersetzen, aber in Sachen Klimaschutz und Preisstabilität wenig bringen“, so Johannes Faden, SPD-Ortsvorsitzender. Der Ausbau von Solar- und Biogasanlagen, soweit es im räumlichen Verbund sinnvoll ist, muss durch Windparks und die ökologisch sinnvolle Reaktivierung der Wasserkraftwerke an der Laber ergänzt werden, so die klare Ansage der Teilnehmer. Allein sechs Windräder können etwa die rund 7.000 Haushalte Geiselhörings mit Strom versorgen.
Energieerzeugung brauchen Akzeptanz in der Bürgerschaft
Die Energiewende wird in den Städten und Gemeinden ein heftiges politisches Ringen auslösen, wenn es im Konkreten um Standorte für neue Windräder, Biomasseheizkraftwerke oder Photovoltaikanlagen geht. Auch um die Trassierung von Starkstromleitungen, die den Strom aus Off-Shore-Anlagen mit Windrädern in der Nordsee oder Solaranlagen in Afrika mit Überlandleitungen nach Bayern bringen sollen, wird in den Kommunen heiß diskutiert werden. „Bei den Planungsverfahren müssen Kommunen mit ihrer Bürgerschaft frühzeitig und umfassend einbezogen werden. So können Konflikte effektiv gelöst werden, was auch dazu dient Verfahren zu beschleunigen. Anlagen zur Energieerzeugung brauchen Akzeptanz in der Bürgerschaft“, so Johannes Faden. Die Lösung, so das Ergebnis der Diskussionsrunde könnten nur die Kommunen und kommunalen Energieversorger mit regionalen Anlagen bieten, bei denen die Bürger sich auf genossenschaftlicher Basis finanziell beteiligen könnten. Damit könne jede Gemeinde mit eigenen Ressourcen regenerative Energiegewinnung für die Zukunft sichern – dazu gehöre aber auch, dass die Kommunen in Sachen Energiesparen Vorbildfunktion übernähmen.
Stromerzeugung 'aus der Region – für die Region'
Wenn sich mehrere Kommunen zusammenschließen, können sie bei der regenerativen Stromversorgung unabhängiger von den Widrigkeiten der wechselhaften Strommärkte werden. Nur im Zusammenschluss lässt sich soviel Wissen und Finanzkraft bündeln, um ein großes Vorhaben zu schultern. Auch bei der Stromerzeugung sollte das Motto 'aus der Region – für die Region' im Auge behalten werden. Ein Beispiel ist die Energieallianz Bayern. Sie besteht derzeit aus 32 mittleren kommunalen Versorgungsunternehmen und setzt auf regenerative Energie aus Wasser, Wind, Biogas, Biomasse, Photovoltaik und Kraft-Wärme-Kopplung. „Doch die Kommunen und Stadtwerke brauchen Rechtssicherheit und Planungssicherheit, damit die dezentralen kommunalen Strukturen gestärkt werden können. Hier sind die Landratsämter gefordert, die sich nicht abwartend verhalten dürften, sondern für ihre Regionen die besten Lösungen suchen müssen“, so Rainer Pasta. Eine große Herausforderung sei das zukünftige Energiemanagement mit intelligenten Netzstrukturen und entsprechenden Verbrauchern: Wenn Strom im Überfluss vorhanden sei, müssten die Verbraucher ihn nutzen. Ähnlich wie beim Nachtstrom könne dies über Preisnachlässe und automatische Steuerungen funktionieren, zeigten sich die Teilnehmer überzeugt.
Hohe Verbraucherpreise subventionieren billige Energie für die Industrie
Was auf keinen Fall funktionieren könne, sei die Teilnahmslosigkeit der Verbraucher nach dem Motto `der Strom kommt ja eh aus der Steckdose` oder der wohlgeduldeten Abhängigkeit zwischen Kommune und Stromanbieter. Wohin das geführt habe, sehe man an den Umweltkatastrophen durch Atomunfälle und Klimaextremen sowie den hohen Energiekosten für die Verbraucher, so die interessiert diskutierende Runde. Die Forderung, dass energieaufwändige Industriebetriebe sich um eine eigene Energieversorgung kümmern müssten wurde laut. „Es kann nicht sein, dass die Verbraucher weiterhin mit überhöhten Preisen eine billige Energieversorgung für die Industrie subventionierten“, so ein Teilnehmer. Die Veranstalter wiesen abschließend auf das Ökostromwechselberater-Seminar des AK Labertal am 30. Juli in Oberlindhart hin und luden die Teilnehmer zu einem weiteren Energiegipfel ein, bei dem die Möglichkeiten der Bürger-Solar-, bzw. Bürger- Windanlagen vorgestellt werden sollen. Der Termin wird in der Presse rechtzeitig bekannt gegeben