Die Regensburger Landtagsabgeordnete Margit Wild wollte in einer Schriftlichen Anfrage die Familienfreundlichkeit bayerischer Unikliniken abfragen. Neben dem Frauenanteil in den einzelnen Berufsgruppen ging es in der Anfrage vor allem um Arbeitszeitmodelle und um die hausinterne Kinderbetreuung.
Nun liegt die Antwort des Staatsministeriums vor. Die Zahlen, gerade im Bereich des Ärztlichen Dienstes, seien erschreckend, so die Regensburger Landtagsabgeordnete: „Es wird wieder einmal deutlich, dass Frauen aber ein bestimmten Führungsebene strukturell benachteiligt und ausgeschlossen werden. Das kann und darf im Jahr 2014 nicht mehr sein“. So sei der Frauenanteil bei den vier Unikliniken Rechts der Isar (München), sowie in Würzburg, Erlangen und Regensburg bei den Assistenten bei 50% und darüber. Auch bei den Fachärzten würden die Frauen noch knapp die Hälfte der Beschäftigten ausmachen. Dagegen würden Frauen bei den Oberärzten gerade einmal ein Fünftel ausmachen, bei den Chefarztposten bewege sich der Frauenanteil im niedrigen einstelligen Bereich. „Da gibt’s keine Ausreden mehr, das ist nicht mehr mit Familienplanung oder fehlendem Ehrgeiz zu erklären, dass ist schlicht und ergreifend Diskriminierung“, echauffiert sich Wild.
Besonders krass aber lesen sich die Zahlen des Klinikums der LMU in München, das sich selbst als „Zentrum der Hochleistungsmedizin, der Innovation und des medizinisch-technischen Fortschritts“ beschreibt. Hier wären gerade einmal ein Viertel aller Assistenten weiblich, und gerade einmal 0,37% der leitenden Ärzte: „Das ist ein Armutszeugnis“, so Wild konsterniert.
Ähnliches gelte für den Bereich der Arbeitszeitmodelle. „Während andere Betriebe mehr als 30 verschiedene Modelle anbieten, um jeder möglichen Konstellation gerecht werden zu können und weiterhin ein attraktiver Arbeitgeber sein zu können, beschränken sich die bayerischen Unikliniken auf Zwei- und Drei-Schicht-Modelle. Sowohl bei der Pflege als auch im Ärztlichen Dienst ist hier ein Umdenken gefragt. Auch das ist ein Baustein, um mit dem prognostizierten Fachkräftemangel im Gesundheitswesen umgehen zu können“, so die Regensburger Abgeordnete.
Margit Wild betonte, dass die Unikliniken als Einrichtungen des Freistaats Bayerns hier eine Vorreiterrolle einnehmen müssten: „Gerade der Staat muss doch Frauenförderung und moderne Arbeitszeiten als Thema angehen und so der Privatwirtschaft zeigen, was möglich ist“.
Lob hatte die Abgeordnete für die Kinderbetreuung an den Unikliniken übrig: „Hier sieht man, dass in den letzten Jahren richtig viel passiert ist. Das Angebot umfasst flexible Betreuungszeiten, eine gute Betreuung während der Ferien und einen steten Ausbau der Krippenplätze“, freut sich Wild.