„Die Neonazistische Rechte in Niederbayern“
Seit etwa zwei Jahren sind verstärkt neonazistische Aktivitäten in Niederbayern zu verzeichnen. Diese sind für die Öffentlichkeit hauptsächlich durch Propagandaaktivitäten, Kundgebungen und Demonstrationen wahrnehmbar. Dahinter bauen Neonazis jedoch auch kontinuierlich eine Infrastruktur auf, die für die Etablierung sowie Entwicklung der Szene von starker Bedeutung ist. Im Vortrag wurden die lokalen Akteure, vorhandene Strukturen sowie die Ideologien der neonazistischen Rechten dargestellt.
Die Jugendorganisation der SPD, die Jusos Straubing, luden Anfang März zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung über Neonazismus in unserer Region ein. Der freie Journalist Jan Nowak referierte über die neonazistische Aktivitäten in Niederbayern. Nowak stellte dar, dass der Neonazismus (wieder erstarkender Nazismus nach 1945) für die breite Masse immer nur dann zum aktuellen Thema wird, wenn Aufmärsche oder Veranstaltungen angekündigt oder etwa die Pläne für einen szeneeigenen Pilspub, wie in Geiselhöring, bekannt werden. Von rechtsextremen Unterwanderungsversuchen sei oft die Rede, wenn bekennende Neonazis als Fußballtrainer Kinder indoktrinieren, in der Freiwilligen Feuerwehr mitmachen oder wenn sie ganz bewusst für Elternbeiräte von Schulen oder Kindergärten kandidierten. Auch mit der Gründung eines eigenen Security-Unternehmens machte die Szene in der Region von sich reden: Spezialisiert auf Dorffeste sorgen die Neonazis dort für Ordnung – ein erschreckendes Szenario! Immer wieder schrecken solche Nachrichten die Öffentlichkeit in der Region auf. Genau so schnell gerät das Thema aber auch wieder in Vergessenheit.
Der Referent Jan Nowak ging in seinem Vortrag auf die verschiedenen neonazistischen Gruppen in unserer Region ein und stellte diese - mit den entsprechenden aktiven Personen verbunden - den Zuhörern vor. Unter die Lupe genommen wurden auch die Ideologien der Rechtsextremisten, wie z.B. der Rassismus oder die Leugnung des Holocaust. Ebenso wurden die Symbolik bzw. Chiffren, mit denen sich Rechtsextreme zu erkennen geben, angesprochen. „In Niederbayern versammeln sich die braunen Kameraden in Vereinsheimen und Gaststätten. Nein, nicht etwa unter falscher Flagge und klammheimlich. Sondern ganz offen und mit dem Wohlwollen der Gastgeber. Die freilich reden sich hinterher gerne damit heraus, nicht gewusst zu haben, wem sie da Tür und Tor geöffnet haben“, so der Referent.
Auch wenn es oft dynamische Umwälzungen in der Szene gäbe, weil etwa die Protagonisten für ein paar Jahre hinter Gittern verschwinden, finde sie doch immer wieder zusammen, so Nowak weiter. Ein Grund dafür sei eine gute Vernetzung zwischen den Mitgliedern und den einzelnen Gruppen bis hinein ins benachbarte Ausland. Doch auch die latente Präsenz des rechtsextremen Gedankenguts in der Mitte der Gesellschaft wurde thematisiert. „Beim "Runden Tisch Niederbayern" etwa gehören nicht nur braune Kameraden zur Stammbesetzung, sondern auch katholische Pfarrer, CSU-Funktionäre und FDP-Politiker“, so Nowak.
Den Zuhörern wurde deutlich gemacht, dass jeder weiterhin Augen und Ohren offen halten sollte, um gegen dieses rechte Gedankengut vorgehen zu können. Nowak: „ Jeder kann die Aktionen von Bündnissen gegen RECHTS unterstützen und damit nein zu Nazis sagen“.