Vortrag von Jan Nowak

Veröffentlicht am 07.03.2011 in Allgemein

„Die Neonazistische Rechte in Niederbayern“

Seit etwa zwei Jahren sind verstärkt neonazistische Aktivitäten in Niederbayern zu verzeichnen. Diese sind für die Öffentlichkeit hauptsächlich durch Propagandaaktivitäten, Kundgebungen und Demonstrationen wahrnehmbar. Dahinter bauen Neonazis jedoch auch kontinuierlich eine Infrastruktur auf, die für die Etablierung sowie Entwicklung der Szene von starker Bedeutung ist. Im Vortrag wurden die lokalen Akteure, vorhandene Strukturen sowie die Ideologien der neonazistischen Rechten dargestellt.

Die Jugendorganisation der SPD, die Jusos Straubing, luden Anfang März zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung über Neonazismus in unserer Region ein. Der freie Journalist Jan Nowak referierte über die neonazistische Aktivitäten in Niederbayern. Nowak stellte dar, dass der Neonazismus (wieder erstarkender Nazismus nach 1945) für die breite Masse immer nur dann zum aktuellen Thema wird, wenn Aufmärsche oder Veranstaltungen angekündigt oder etwa die Pläne für einen szeneeigenen Pilspub, wie in Geiselhöring, bekannt werden. Von rechtsextremen Unterwanderungsversuchen sei oft die Rede, wenn bekennende Neonazis als Fußballtrainer Kinder indoktrinieren, in der Freiwilligen Feuerwehr mitmachen oder wenn sie ganz bewusst für Elternbeiräte von Schulen oder Kindergärten kandidierten. Auch mit der Gründung eines eigenen Security-Unternehmens machte die Szene in der Region von sich reden: Spezialisiert auf Dorffeste sorgen die Neonazis dort für Ordnung – ein erschreckendes Szenario! Immer wieder schrecken solche Nachrichten die Öffentlichkeit in der Region auf. Genau so schnell gerät das Thema aber auch wieder in Vergessenheit.

Der Referent Jan Nowak ging in seinem Vortrag auf die verschiedenen neonazistischen Gruppen in unserer Region ein und stellte diese - mit den entsprechenden aktiven Personen verbunden - den Zuhörern vor. Unter die Lupe genommen wurden auch die Ideologien der Rechtsextremisten, wie z.B. der Rassismus oder die Leugnung des Holocaust. Ebenso wurden die Symbolik bzw. Chiffren, mit denen sich Rechtsextreme zu erkennen geben, angesprochen. „In Niederbayern versammeln sich die braunen Kameraden in Vereinsheimen und Gaststätten. Nein, nicht etwa unter falscher Flagge und klammheimlich. Sondern ganz offen und mit dem Wohlwollen der Gastgeber. Die freilich reden sich hinterher gerne damit heraus, nicht gewusst zu haben, wem sie da Tür und Tor geöffnet haben“, so der Referent.

Auch wenn es oft dynamische Umwälzungen in der Szene gäbe, weil etwa die Protagonisten für ein paar Jahre hinter Gittern verschwinden, finde sie doch immer wieder zusammen, so Nowak weiter. Ein Grund dafür sei eine gute Vernetzung zwischen den Mitgliedern und den einzelnen Gruppen bis hinein ins benachbarte Ausland. Doch auch die latente Präsenz des rechtsextremen Gedankenguts in der Mitte der Gesellschaft wurde thematisiert. „Beim "Runden Tisch Niederbayern" etwa gehören nicht nur braune Kameraden zur Stammbesetzung, sondern auch katholische Pfarrer, CSU-Funktionäre und FDP-Politiker“, so Nowak.

Den Zuhörern wurde deutlich gemacht, dass jeder weiterhin Augen und Ohren offen halten sollte, um gegen dieses rechte Gedankengut vorgehen zu können. Nowak: „ Jeder kann die Aktionen von Bündnissen gegen RECHTS unterstützen und damit nein zu Nazis sagen“.

 

  

Projekt 2016 - Schuld & Sühne?

„Historischen Themennachmittage" im Labertal

Die intensive Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ist wichtig um die Gegenwart zu verstehen und der Zukunft zu vertrauen. Der AK Labertal will fundierte Geschichtsbewältigung unter sozialdemokratischen Gesichtspunkten anbieten Es gibt nichts zu glorifizieren, nichts zu beschönigen und schon gar nichts zu rechtfertigen. Wir wollen aber auch nicht anklagen und verurteilen - keiner von uns kann heute sagen, wie er sich selbst verhalten hätte, in einer anderen Zeit.

- Rückblick -
Der SPD-Arbeitskreis Labertal hat mit dem „Historischen Themennachmittag“ zur Schierlinger Muna am 24. Januar 2010 begonnen, sich mit den Ereignissen vor 65 Jahren genauer zu beschäftigen. Neben dem „Wunder von Schierling“ sollt der Blick auch auf die Todesmärsche durch das Labertal gelenkt werden.

Die Brüder Gandorfer beschäftigten den AK am historischen Datum 7. November 2010 in Pfaffenberg.

Im Spätherbst 2011 wurde mit "Die Engel von Laberweinting" erneut an das Thema "65 Jahre Kriegsende" angeknüpft. 62 tote Kinder in nur wenigen Monaten, so die Bilanz des Entbindungs- und Kinderheims für Fremdländische.

Der letzte „Historische Themennachmittag“„GELINZT - Euthanasie- Opfer aus dem Labertal“ fand am 4. März in Geiselhöring statt. Das Thema wurde mit einer Informationsfahrt am 14. April an den Gedenkort Hartheim bei Linz abgerundet.

Die Dokumentationen zu den Themennachmittagen (oder den Bonhoeffer-Wochen) sind unter www.agentur-labertal.de zu bestellen!

Projekt 2015 - Flucht, Vertreibung und Asyl

Flucht, Vertreibung und Asyl 1945 / 2015

Sonstiges

 

120 Jahre BayernSPD - Im Dienst von Freiheit und Demokratie Frauen sind in der rechtsextremen Szene keine Seltenheit mehr – sie sind die „nette“ Nachbarin oder betreiben Biolandbau und verkaufen „Deutschen Honig“ und unterwandern so die Gesellschaft mit neonazistischem Gedankengut. Die Ausstellung „Braune Schwestern“ aus Österreich war 2012 erstmals in Niederbayern zu sehen und beschäftigt sich mit der Symbolik, den Liedern und dem Gedankengut der rechtsextremen Frauenszene.