MdB Werner Schieder referiert zur „Zukunftswerkstatt Finanzmärkte“
In den letzten 20 Jahren hat sich das Volumen der weltweit handelbaren Finanzpapiere auf 55 Billionen US-Dollar verzehnfacht. Die Handelsumsätze mit Devisen, Anleihen und Derivaten erreichten im Jahre 2006 einen Wert von 13.000 Mrd. US-Dollar – Tag für Tag! Auch nach der schlimmsten Nachkriegs-Krise ist das globale Finanzsystem 70-mal größer als die Realwirtschaft.
Diese wenigen Zahlen verdeutlichen, dass sich die Akteure auf den Finanzmärkten deutlich von der Entwicklung der Realwirtschaft abgekoppelt haben. Zusammen mit der Deregulierung der Finanzmärkte führte dies zur Finanzkrise, in deren Verlauf die Steuerzahler Banken mit Hunderten von Milliarden Euro und US-Dollar retten musste.
Mehr als zwei Jahre nach dem Beginn der Krise hat sich die Finanzökonomie wieder stabilisiert. Doch während an der Wall Street schon wieder mehr als 140 Milliarden Euro Boni ausgeschüttet werden, sind die Schulden der öffentlichen Haushalte weltweit massiv gestiegen. Kleine und mittlere Unternehmen tun sich oft immer noch schwer, Kredite für Investitionen zu erhalten.
Trotz der massiven Folgekosten für die öffentliche Hand hat es bislang kaum Änderungen im Banken- und Finanzsystem gegeben. Die neuen strengeren Eigenkapitalvorschriften gemäß „Basel III“ treten nach mehreren Stufen erst 2019 endgültig in Kraft. Und auch US-Präsident Obama musste bei der Finanzmarktreform deutliche Rückschläge hinnehmen. Deshalb können insbesondere Hedge-Fonds ihren riskanten Geschäften fast unbehelligt nachgehen.
Um künftige Krisen zu verhindern, ist es aber nötig, umfangreiche Reformen in Angriff zu nehmen. Diese Themen wollen wir mit Ihnen diskutieren und Antworten auf folgende Fragen suchen:
- Benötigen wir in Zukunft auch weiterhin Großbanken oder ist die Gefahr des „too big to fail“ zu groß für ein stabiles Finanzsystem?
- Wie kann der Handel mit Derivaten und Optionen transparenter werden?
- Sollen sich Banken in Zukunft wieder auf ihre ursprüngliche Rolle als Kreditgeber für die Realwirtschaft konzentrieren?
- Eine weitere Rettungsaktion diesen Ausmaßes wird selbst Staaten wie die USA oder Deutschland überfordern. Wie können wir die Banken an den Kosten der von ihnen verursachten Krise beteiligen?
Diesen Fragen geht der SPD-Bundestagsabgeordnete
Werner Schieder im
"Workshop Finanzmärkte - Welche Banken braucht die Realwirtschaft?" der
Friedrich-Ebert-Stiftung nach. Werner Schieder ist Mitglied im Ausschuss für Angelegenheiten der Europäischen Union im Deutschen Bundestag und zuständig für Fragen der Währungsunion und der Finanzmarktregulierung.
Die Veranstaltung findet am Freitag, 19. November 2010 um 16:00 Uhr im IBIS Hotel in Regensburg, Furtmayrstraße 1, 93053 Regensburg statt.
Kurzfristige Anmeldungen sind noch beim Regionalbüro Regensburg der Friedrich-Ebert-Stiftung unter 0941/794759 und
regensburg@fes.de möglich.
