Gedenken an den Vater der Bayerischen Verfassung

Veröffentlicht am 05.03.2010 in Landespolitik

SPD erinnert an den 30. Todestag von SPD-Ministerpräsident Dr. Wilhelm Hoegner

Der frühere bayerische SPD-Ministerpräsident und "Vater der Bayerischen Verfassung" Dr. Wilhelm Hoegner zählt zu den wenigen Staatsmännern und Politikern des 20. Jahrhunderts, die Bayerns Geschichte nachhaltig geprägt haben. Der SPD-Bezirksverband Niederbayern erinnert zusammen mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten und bayerischen SPD Landesvorsitzenden Florian Pronold an den 30. Todestag von Dr. Wilhelm Hoegner (1887 - 1980) am 5. März.

Seine politische Lebensleistung hat ihn zu einer herausragenden, die Geschichte des Freistaats Bayern wie der bayerischen SPD prägenden Persönlichkeit gemacht. Als Landtags- und als Reichstagsabgeordneter, als unbeugsamer Gegner der Nationalsozialisten, als "Vater der bayerischen Verfassung" von 1946, als zweimaliger bayerischer Ministerpräsident sowie Landes- und Fraktionsvorsitzender der SPD hat Wilhelm Hoegner geschichtlichen Rang, betonte Florian Pronold.
Die Bezirks-SPD würdigt insbesondere, dass die Bayerische Verfassung weitgehend aus der Feder von Wilhelm Hoegner stammt und nicht zuletzt der Neuaufbau der bayerischen Justizverwaltung, der Gerichte und die starke Verankerung der gemeindlichen Selbstverwaltung in der Verfassung von 1946 und der Gemeindeordnung von 1951 im Wesentlichen auf Hoegner zurückgehen. Damit wirken die staats- und demokratiepolitischen Leistungen Hoegners bis heute.
Aber Hoegners Verdienste reichen weiter: Er gehörte zu den ersten, die die Nationalsozialisten als Totengräber Deutschlands und Europas erkannt und sie mit großem Mut bekämpft haben - weitsichtig, erbittert und unbeugsam, angefangen mit seiner Jungfernrede im Bayerischen Landtag wenige Wochen nach seiner Wahl zum Abgeordneten 1924, in der er die schändliche Rolle der bayerischen Justiz im Hitlerprozess geißelte, über seine von Hasstiraden lärmender Nazis und Drohungen unterbrochene Jungfernrede im Reichstag 1930 bis zu seinen unzähligen öffentlichen Auftritten zwischen Königsberg und Kempten - bevor er sich in letzter Sekunde vor den Nazis und deren Schergen durch Flucht über seine geliebten Berge nach Österreich und später in die Schweiz retten musste.
Am 23. Januar 1933 hat Hoegner im Reichstag und am 29. April 1933 im bayerischen Landtag zusammen mit der SPD-Fraktion als einzige gegen die Ermächtigungsgesetze in Deutschland und Bayern gestimmt und sich unter Einsatz seines Lebens gegen den Untergang der Deutschen Republik wie des ersten Freistaats Bayern gestemmt. Aus dieser traumatischen Erfahrung heraus ließ ihn die Frage, wie es zum Zusammenbruch der Demokratie in Deutschland kommen konnte und wie eine künftige besser gesichert werden könne, nicht mehr los. Mit seinem leidenschaftlichen Plädoyer für den Föderalismus als unverzichtbares Organisationsprinzip der deutschen Nachkriegsdemokratie hat sich Hoegner glücklicherweise durchgesetzt, wie auch mit seinen Vorstellungen von direkter Demokratie und Naturschutz, die bis heute aktuell geblieben sind.
Auch in seiner Partei, der bayerischen SPD, ist Wilhelm Hoegner zu einer bis heute prägenden Gestalt geworden. Denn eine ähnlich bleibende Leistung wie auf staatspolitischem Gebiet hat Hoegner auch als bayerischer Sozialdemokrat vorzuweisen. Schon 14 Jahre vor dem Godesberger Programm von 1959 hat für eine im Volk verwurzelten Volkspartei SPD geworben und diese Neuorientierung mit durchgesetzt.
Seine Liebe zur bayerischen Heimat und zum einfachen Volk, aus dem er stammte, seine Treue zu den eigenen Überzeugungen, seine geradlinige, kantige, kraftvolle, farbig-bayerische Persönlichkeit, die Eigenständigkeit seines politischen Urteils haben den sozialdemokratischen bayerischen Patrioten Wilhelm Hoegner zu Lebzeiten eine große Volkstümlichkeit und hohen Respekt verschafft, die weit über seine SPD hinaus ging und noch geht. Seine kompromisslose Gegnerschaft zum Freund-Feind-Denken unter Demokraten und sein leidenschaftliches Mahnen vor Rechtsradikalismus sind sein gerade heute wieder aktuelles Vermächtnis.

 

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Projekt 2016 - Schuld & Sühne?

„Historischen Themennachmittage" im Labertal

Die intensive Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ist wichtig um die Gegenwart zu verstehen und der Zukunft zu vertrauen. Der AK Labertal will fundierte Geschichtsbewältigung unter sozialdemokratischen Gesichtspunkten anbieten Es gibt nichts zu glorifizieren, nichts zu beschönigen und schon gar nichts zu rechtfertigen. Wir wollen aber auch nicht anklagen und verurteilen - keiner von uns kann heute sagen, wie er sich selbst verhalten hätte, in einer anderen Zeit.

- Rückblick -
Der SPD-Arbeitskreis Labertal hat mit dem „Historischen Themennachmittag“ zur Schierlinger Muna am 24. Januar 2010 begonnen, sich mit den Ereignissen vor 65 Jahren genauer zu beschäftigen. Neben dem „Wunder von Schierling“ sollt der Blick auch auf die Todesmärsche durch das Labertal gelenkt werden.

Die Brüder Gandorfer beschäftigten den AK am historischen Datum 7. November 2010 in Pfaffenberg.

Im Spätherbst 2011 wurde mit "Die Engel von Laberweinting" erneut an das Thema "65 Jahre Kriegsende" angeknüpft. 62 tote Kinder in nur wenigen Monaten, so die Bilanz des Entbindungs- und Kinderheims für Fremdländische.

Der letzte „Historische Themennachmittag“„GELINZT - Euthanasie- Opfer aus dem Labertal“ fand am 4. März in Geiselhöring statt. Das Thema wurde mit einer Informationsfahrt am 14. April an den Gedenkort Hartheim bei Linz abgerundet.

Die Dokumentationen zu den Themennachmittagen (oder den Bonhoeffer-Wochen) sind unter www.agentur-labertal.de zu bestellen!

Projekt 2015 - Flucht, Vertreibung und Asyl

Flucht, Vertreibung und Asyl 1945 / 2015

Sonstiges

 

120 Jahre BayernSPD - Im Dienst von Freiheit und Demokratie Frauen sind in der rechtsextremen Szene keine Seltenheit mehr – sie sind die „nette“ Nachbarin oder betreiben Biolandbau und verkaufen „Deutschen Honig“ und unterwandern so die Gesellschaft mit neonazistischem Gedankengut. Die Ausstellung „Braune Schwestern“ aus Österreich war 2012 erstmals in Niederbayern zu sehen und beschäftigt sich mit der Symbolik, den Liedern und dem Gedankengut der rechtsextremen Frauenszene.