Laut EU-Kommission werden jährlich über 400.000 vorzeitige Todesfälle in Europa durch Luftverschmutzung verursacht. "Die neuen nationalen Schadstoffgrenzen sind ein Appell an die Mitgliedstaaten, die Luftqualität in Zukunft deutlich zu verbessern", so Ismail Ertug, SPD-Europaabgeordneter und stellvertretendes Mitglied im Umweltausschuss.
Auto- und Industrieabgase, aber auch Düngemitteleinsatz in der Landwirtschaft können zu starker Luftverschmutzung führen, die Atemwegserkrankungen und Todesfälle verursacht. Die neuen Obergrenzen für Schadstoffe werden Gesundheitsrisiken, aber auch der Gesundheitskosten deutlich minimieren.
"Wir wollen, dass sich die Luftqualität für die Bürger_innen Europas verbessert. Dadurch steigert sich auch die Lebensqualität - sowohl in Ballungsgebieten, als auch im ländlichen Raum", erläutert Ertug weiter.
Die Luft in Europa ist in den vergangenen Jahren zwar besser geworden, doch noch immer sind zu viele Menschen gesundheitsgefährdendem Feinstaub ausgesetzt. Zu diesem Ergebnis kommt die Europäische Umweltagentur in ihrem Jahresbericht zur Luftqualität, der am Mittwoch vorgestellt wurde. Im Jahr 2014 mussten demnach 85 Prozent der Stadtbevölkerung eine Feinstaubbelastung hinnehmen, die nach Erkenntnissen der Weltgesundheitsorganisation schädlich ist.
Gegenüber dem Jahr 2005 sollen laut der reformierten EU-Richtlinie bis 2030 EU-weit 63 Prozent weniger Stickoxide ausgestoßen werden, die vor allem in Abgasen von Dieselfahrzeugen vorkommen. Die Feinstaubbelastung soll im selben Zeitraum halbiert werden.
„Man weiß heute, dass Krebs und Herz-Kreislauf- und Lungenerkrankungen auch durch Feinstaub ausgelöst werden. Deshalb ist eine saubere Luft in Europa nicht nur für die Umwelt wichtig, sondern vor allem für die Gesundheit der Bürger_innen", erklärt Ismail Ertug.
Um die Mitgliedstaaten zum zügigen Handeln zu ermutigen, hatte das Europäische Parlament verbindliche Zwischenziele für 2025 und die Regelung von Methan gefordert. "Das Problem war, dass sich einige EU-Mitgliedstaaten gegen die Zwischenziele gestellt haben und die Erweiterung der Richtlinie auf Methan im Rat blockiert haben", so Ertug. Das Gas Methan wird vor allem in der Landwirtschaft freigesetzt. Die EU-Kommission kündigte nun an, zusätzliche Maßnahmen zu prüfen, um den Methanausstoß zu verringern.
Rat und Europäisches Parlament hatten sich im Juni 2016 über die Richtlinie über nationale Höchstgrenzen von 2020 bis 2030 geeinigt - für die fünf Luftschadstoffe Ammoniak, Stickstoffoxid, Schwefeldioxid, Feinstaub und flüchtige organische Verbindungen außer Methan. Der Rat muss den Beschluss noch formal annehmen.