Im nördlichen Lichthof des Berliner Reichstagsgebäudes liegt Erde. Was die Besucher oft nicht wissen: Es ist auch Erde aus der Oberpfalz mit dabei. Im Rahmen eines Konzepts zur künstlerischen Gestaltung des nördlichen Lichthofs im Reichstagsgebäude in Berlin legte der Künstler Hans Haacke 1998 einen Vorschlag vor, der zunächst heftige Diskussionen auslöste. „Der Bevölkerung“ heißt das Projekt, das schließlich sogar eine Bundestagsdebatte nach sich zog.
Haacke konnte seinen Vorschlag durchsetzen und seither ruht auch ein Sack Oberpfälzer Erde, die Reinhold Strobl (SPD) während seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter aus verschiedenen Gemeinden des Landkreises (Auerbach, Hirschau, Schnaittenbach, Sulzbach-Rosenberg und aus der kreisfreien Stadt Amberg) mitbrachte, in Berlin.
Im Lichthof des Reichstagsgebäudes wurde ein 21 x 7 m grosser flacher Kasten installiert, aus dessen Mitte weiße Leuchtbuchstaben die Worte DER BEVÖLKERUNG nach oben strahlen. Der Schriftzug ist von allen Seiten und Etagen des Gebäudes aus zu lesen. Er bezieht sich auf die 1916 am Westportal des Reichstagsgebäudes angebrachte Inschrift DEM DEUTSCHEN VOLK.
Alle Bundestagsabgeordneten, darunter auch Reinhold Strobl, der von 1999 bis 2002 Bundestagsabgeordneter in Berlin war, wurden eingeladen, aus ihrem Wahlkreis einen Sack „Heimaterde“ nach Berlin zu bringen und um die Leuchtbuchstaben auszustreuen. Auch heute noch können Abgeordnete „ihre Erde“ in dieses Projekt einbringen. Der spontane Pflanzenwuchs bleibt sich dabei selbst überlassen.
Das Zusammentragen der Erde durch die Abgeordneten weist auf die Verantwortung des Menschen gegenüber der Umwelt hin. Erde erinnert an die Endlichkeit des Menschen und an die Gleichheit aller Menschen. Das aus der Erde wild und ohne Eingreifen Wachsende ist zugleich Mahnung an die Menschen, die Grenzen des technisch und politisch Machbaren zu erkennen. Strobl: „Mittlerweile ist aus der Erde aus ganz Deutschland ein wahres Biotop im Innenhof entstanden".