8. Mai: Flossenbürgfahrt Teil 2

Veröffentlicht am 12.05.2010 in Veranstaltungen

Gedenken am sozialdemokratischen Ehrenmal: v.l. für den AK Labertal OV-Vorsitzender Armin Buchner, MdL Annette Karl, Bürgermeister Johann Kick, MdB Werner Schieder

Zurückgebracht an den Ort des Grauens
SPD-Arbeitskreis Labertal besucht KZ-Gedenkstätte Flossenbürg

Schierling (pas): Der SPD-Ortsverein Schierling organisierte mit dem SPD-AK Labertal am 8. März, dem 65. Jahrestag der Kapitulation Nazideutschlands, eine „Fahrt gegen das Vergessen“ nach Flossenbürg. Das KZ Flossenbürg war Ausgangs- und für rund 5000 tote Häftlinge auch Endpunkt der berüchtigten Todesmärsche – auch durch das Tal der Kleinen und Großen Laber. Die Außenlager des KZs reichten bis nach Regensburg, Obertraubling, Plattling, Landau und Ganacker. Im KZ Flossenbürg wurde aber auch wenige Tage vor Kriegsende der Theologe Dietrich Bonhoeffer feige ermordet. In Flossenbürg litten und starben viele bayerische Sozialdemokraten. „Gründe genug“, fand Arbeitskreis-Sprecher Rainer Pasta, „um am Jahrestag der Kapitulation eine Fahrt vom Labertal aus zur Gedenkstätte nahe der tschechischen Grenze zu unternehmen.“ Die SPD-Landtagsabgeordneten Annette Karl und der für die Region zuständige Bundestagsabgeordnete Werner Schieder nahmen an der Gedenkfeier in Flossenbürg teil.

Nach einer beeindruckenden Gedenkfeier am Jüdischen Ehrenmal in Pfaffenberg/Steinrain, wo 67 Opfer der Todesmärsche bestattet wurden, führte die Fahrt direkt nach Flossenbürg. Für viele Teilnehmer war es der erste Besuch der KZ Gedenkstätte in der Oberpfalz. Umso erstaunter waren sie, „dass die Gedenkstätte mitten in einem Wohngebiet liegt“. Deshalb beantwortete Bürgermeister Johann Kick bei seiner Begrüßung der Labertaler die Frage „Wie kann man an so einem Ort nur leben?“ gleich von sich aus: „Nach Kriegsende hat man versucht, die Spuren der Schande schnellst möglich zu beseitigen. Die Häftlingsbaracken wurden abgebrochen und auf dem Gelände wurden Vertriebene aus Schlesien oder aus dem Sudetenland angesiedelt – die Straßennahmen zeugen noch heute davon. Erst später entstand auf Betreiben der SPD diese Gedenkstätte, die bis heute kontinuierlich erweitert wurde.“ Kick berichtete, dass die Akzeptanz der Bevölkerung sehr differenziert ausfalle: „Diejenigen, die sich mit der Geschichte des Konzentrationslagers befassen und die Verantwortung Fossenbürgs für die Dokumentation und Aufarbeitung des Geschehnen anerkennen – viele von ihnen arbeiten ehrenamtlich in den Gedenkstätte mit – unterstützen den Ausbau der Gedenkstätte.“ Doch, so xxx weiter, gebe es auch Bevölkerungsschichten, die die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte ablehnten und für sie sei die Gedenkstätte mitten im Ort ein tägliches Ärgernis.

„Flossenbürg übernimmt auch für viele Gemeinden in unserer Region die Aufarbeitung der unrühmlichen Geschichte. Mit Ausnahme der Toten, die in Steinrain bestattet wurden, hat man in den 50er Jahren alle Opfer der Todesmärsche, die in vielen unseren Dorf-Friedhöfen bestattet waren und zum ewigen Gedenken Anlass gegeben hätten, exhumiert und im „Ehrenfriedhof“ in Flossenbürg gesammelt und erneut beerdigt. Zurückgebracht an den Ort des Grauens, sollten sie die Nachkriegsgenerationen entlang der Todesrouten nicht belasten“, so ein Mitarbeiter des Museums bei seiner Führung. In einer eindrucksvollen Ausstellung wird in Flössenbürg der Geschichte gedacht und die Untaten der Nazis dokumentiert. Der Rundgang durch das ehemalige KZ –Gelände, immer im Sichtbereich der Wachtürme, kann heute nur noch einen Hinweis auf das Grauen vor mehr als 65 Jahren geben. „Steht man jedoch auf dem Appellplatz, vor dem Todesblock oder im „Tal des Todes“ kann man erahnen, was hier geschehen ist. Viele Alltagsgeräusche hallen heute überlaut durch das stille Tal – damals waren es Schüsse und Schreie“, so Martin Auer, der sich als ständiger Besucher Flossenbürgs dem Ausdruck des Ortes nicht entziehen kann.

Die Besucher aus dem Labertal gedachten zusammen mit der SPD-Landtagsabgeordneten Annette Karl und dem für die Region zuständigen Bundestagsabgeordneten Werner Schieder der sozialdemokratischen Opfer des Terrorregimes in dem sie ein Blumengebinde am Gedenkstein der SPD – übrigens dem einzigen seiner Art in einem ehemaligen KZ – niederlegten. Ebenso wie am Denkmal für die hingerichteten Windskämpfer, unter ihnen auch. Dietrich Bonhoeffer. In der Sonderausstellung zum Leben Dietrich Bonhoeffers im ehemaligen Gefängnisblock, stimmten sich die Besucher auf die „Bonhoeffer-Wochen Labertal“, die am 17. Mai in Geiselhöring eröffnet werden, ein.

 

  

Projekt 2016 - Schuld & Sühne?

„Historischen Themennachmittage" im Labertal

Die intensive Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ist wichtig um die Gegenwart zu verstehen und der Zukunft zu vertrauen. Der AK Labertal will fundierte Geschichtsbewältigung unter sozialdemokratischen Gesichtspunkten anbieten Es gibt nichts zu glorifizieren, nichts zu beschönigen und schon gar nichts zu rechtfertigen. Wir wollen aber auch nicht anklagen und verurteilen - keiner von uns kann heute sagen, wie er sich selbst verhalten hätte, in einer anderen Zeit.

- Rückblick -
Der SPD-Arbeitskreis Labertal hat mit dem „Historischen Themennachmittag“ zur Schierlinger Muna am 24. Januar 2010 begonnen, sich mit den Ereignissen vor 65 Jahren genauer zu beschäftigen. Neben dem „Wunder von Schierling“ sollt der Blick auch auf die Todesmärsche durch das Labertal gelenkt werden.

Die Brüder Gandorfer beschäftigten den AK am historischen Datum 7. November 2010 in Pfaffenberg.

Im Spätherbst 2011 wurde mit "Die Engel von Laberweinting" erneut an das Thema "65 Jahre Kriegsende" angeknüpft. 62 tote Kinder in nur wenigen Monaten, so die Bilanz des Entbindungs- und Kinderheims für Fremdländische.

Der letzte „Historische Themennachmittag“„GELINZT - Euthanasie- Opfer aus dem Labertal“ fand am 4. März in Geiselhöring statt. Das Thema wurde mit einer Informationsfahrt am 14. April an den Gedenkort Hartheim bei Linz abgerundet.

Die Dokumentationen zu den Themennachmittagen (oder den Bonhoeffer-Wochen) sind unter www.agentur-labertal.de zu bestellen!

Projekt 2015 - Flucht, Vertreibung und Asyl

Flucht, Vertreibung und Asyl 1945 / 2015

Sonstiges

 

120 Jahre BayernSPD - Im Dienst von Freiheit und Demokratie Frauen sind in der rechtsextremen Szene keine Seltenheit mehr – sie sind die „nette“ Nachbarin oder betreiben Biolandbau und verkaufen „Deutschen Honig“ und unterwandern so die Gesellschaft mit neonazistischem Gedankengut. Die Ausstellung „Braune Schwestern“ aus Österreich war 2012 erstmals in Niederbayern zu sehen und beschäftigt sich mit der Symbolik, den Liedern und dem Gedankengut der rechtsextremen Frauenszene.