„Geiselhöring bleibt BUNT“ – Mitglieder des Aktionsbündnisses: u.a. v.l. Elisabeth Scherm, Angela Ramsauer, Ehepaar Thun, Pfarrer Ulrich Fritsch, Helena Auch-Schwelk, Johannes Faden, Monika Hoffmann und Familie Wittmann (v.re).
„Essen und trinken, dem Teufel zum Verdruß“
Lutherschmaus gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit
Geiselhöring (pas): Das Aktionsbündnis „Geiselhöring bleibt BUNT“ setzte am vergangenen Samstag wieder ein Zeichen gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit. Zu einem gemeinsamen Abendessen waren Mitglieder und ausländische Mitbürgerinnen und Mitbürger eingeladen. Dazu gab es aktuelle Informationen, Luthersche Tischreden und einen interessanten Erfahrungsaustausch im Gemeindezentrum der ev.luth. Kirche in Geiselhöring.
Mindestens einmal im Jahr tummeln sich kurz vor Weihnachten Neonazis von nah und fern in Geiselhöring zum einschlägigen Einkaufsbummel– für die Geiselhöringer heißt es an diesem Tag „Einkaufen unter Polizeischutz“, denn rechtzeitig bevor die ersten braunen Weihnachtsbummler eintreffen, positionieren sich Polizeistreifen am Bahnhof und im Bereich der Linskirche, auch die Ein- und Ausfallstraßen werden beobachtet. Viel Aufwand für nichts, denken sich einige, andere fühlen sich an diesem Tag besonders unwohl und Verkäuferinnen mit ausländischen Familiennamen nehmen schon mal ihre Namenschilder ab. Das Aktionsbündnis „Geiselhöring bleibt BUNT“ – parteiübergreifend und international besetzt – wehrt sich gegen diese Entwicklung seit Jahren. Mit Konzerten für den Frieden, Lieder gegen Nazis oder wie dieses Jahr mit einem „Lutherschmaus gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit“.
Dass es ein richtiger Schmaus wurde, dafür sorgten die Teilnehmer selber. Jeder brachte ein paar kulinarische Köstlichkeiten mit, der Tisch war von Angela Ramsauer weihnachtlich dekoriert und für die Getränke sorgte Pfarrer Ulrich Fritsch, der als Mitglied im Aktionsbündnis gerne seinen Gemeindesaal zur Verfügung stellte. Er begrüßte die Teilnehmer auch mit ein paar erklärenden Worten zu Martin Luther, der als Mensch des Mittelalters so manche Position bezog, die aufgeklärte Christen heute nicht unbedingt teilen können – aber er war der Zündstein für die Öffnung der Kirche für die Probleme der Menschen und die Aufklärung, durch die sich das Christentum heute z.B. vom Fanatismus im Islam unterscheidet. Rainer Pasta berichtet über die Verleihung des Luther-Preises „ Das unerschrockene Wort“, den die 13 Lutherstädte alle zwei Jahre vergeben, an die Regensburger Gastwirte-Initiative „Keine Bedienung für Nazis“. Rainer Pasta sah den Lutherschmaus des Aktionsbündnisses in direkter Verbindung zu dieser Preisverleihung. Angela Ramsauer und Elisabeth Scherm berichteten von der Gründungsversammlung des Straubinger Aktionsbündnisses, dem vor Kurzem die Stadt, der Landkreis mit seinen Gemeinden und viele gesellschaftliche Gruppen beigetreten sind.
Pfarrer Ulrich Fritsch las aus zwei Tischreden vor, die Martin Luther in seiner oft deftigen Sprache zu den Geschehnissen seiner Zeit gehalten hatte. Die Textpassage „Essen und trinken, dem Teufel zum Verdruß“ quittierten die Teilnehmer mit spontanem Applaus und kürte sie zum Motto des Tages. Neben dem Bericht über die einschüchternde Wirkung der Neonazi-Präsenz in Geiselhöring gab es die Schilderung einer „ungemütlichen Zugfahrt“, bei der der Teilnehmer froh war, „nicht in der Haut eines farbigen Ausländers“ gesteckt zu haben. Doch auch Probleme in einer Nachbargemeinde wurden angesprochen, ebenso die fehlende Sensibilität gegen über einschlägigen Schmierereien in einem Straubinger Gymnasium. „Allein ist man oft verunsichert und sieht keine Möglichkeit etwas gegen ungewollte Entwicklungen zu unternehmen. Doch niemand ist allein, das Aktionsbündnis ‚Geiselhöring bleibt BUNT’ ist mit vielen Institutionen und Gruppierungen vernetzt und bietet jederzeit Ansprechstationen und Hilfestellung an“, so Johannes Faden zum Ende des Lutherschmauses.