Unser gemeinsames Haus Europa
Wie Heimatvertriebene Brücken bauen
Das Schicksal der Heimatvertriebenen ist bis heute unvergessen und muss - gerade vor dem Hintergrund des wieder erstarkten Rechtsradikalismus in Europa – immer wieder in Erinnerung gerufen werden. Bis August 1950 waren acht Millionen Menschen aus ihrer Heimat in den westlichen Besatzungszonen angekommen. Weitere vier Millionen hatten auf dem Gebiet der späteren DDR Zuflucht gesucht. Zu dieser Zeit steckte der Wiederaufbau in den Anfängen. Viele lebten arm und unter schwierigsten Verhältnissen in überfüllten Lagern, waren arbeitslos oder unterqualifiziert beschäftigt und hofften immer noch auf eine Rückkehr in die Heimat. Diese Lage hätte ein idealer Nährboden für radikale Verirrungen sein können. Die Heimatvertriebenen erteilten dem jedoch eine klare Absage. Sie verabschiedeten die "Charta der Heimatvertriebenen" und brachten damit zum Ausdruck, dass Rache und Gewalt für sie kein Weg in die Zukunft sind und dauerhafter Frieden nur in einem geeinten Europa möglich ist.
Welch ein Weitblick! Heute, 22 Jahre nach Ende des Kalten Krieges, haben wir in der EU eine Chance wie nie zuvor zum Dialog. Freie Nachbarn können die geschichtliche Wahrheit aussprechen und das Recht verwirklichen. Wir haben erreicht, wovon die Verfasser der „Charta der Heimatvertriebenen“ nur zu träumen wagten: ein geeintes, friedliches Europa der Menschen und der Menschenrechte, in dem es keine Diskriminierung mehr geben darf! Auch keine, die durch die Vergangenheit begründet ist.
Das Schicksal der Vertriebenen ist nicht vergessen, auch und gerade in Stadt und Landkreis Straubing, wo sich nach dem Krieg fast 13.000 Heimatvertriebene aktiv am Wiederaufbau beteiligt haben. Nur in einer wahrheitsgetreuen Aufarbeitung gelingt Aussöhnung. Deshalb heißt die doppelte Aufgabe noch heute: Brücken bauen zwischen den Generationen und Brücken bauen zu unseren Nachbarn und in unsere Nachbarländer. Wir haben eine gemeinsame Geschichte – nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch im Europa der Zukunft.
Dazu spricht auf Einladung des AWO-Kreisvorsitzenden MdL Reinhold Perlak die vertriebenenpolitische Sprecherin der SPD Landtagsfraktion MdL Christa Naaß am Sonntag, den 29. April 2012 im 17.00 Uhr Cafe Fratelli (im Magnobonus-Markmiller-Saal der Barmherzigen Brüder, Äußere Passauer Str. 60, Straubing (Parkplatz am Steinweg). Sie stellt dabei auch die aktuelle Position der BayernSPD zu Vertreibung, Migration und Integration dar. Eine anschließende Diskussion ist ausdrücklich erwünscht. Die AWO Straubing lädt dazu alle Interessierten sind zu dieser Veranstaltung eingeladen.