MdB Werner Schieder zu den aktuellen Arbeitsmarktdaten
„Die Bundesregierung jubelt über das sogenannte Jobwunder, aber vielen hierzulande ist nicht zum Jubeln", kommentiert MdB Werner Schieder die aktuellen Arbeitsmarktdaten. Die dunklen Flecken in dieser manipulierten Erfolgsgeschichte werden systematisch ausgeblendet.
Erstens: Seit langen Jahren hat leider jede Bundesregierung die Arbeitslosenstatistik nach unten manipuliert. Die Zahl der Unterbeschäftigung, die seit einiger Zeit von den Agenturen für Arbeit als sozusagen ‚ehrliche‘ Arbeitslosenstatistik ausgewiesen wird, ist um mehr als eine Million höher als die ‚offiziellen‘ Arbeitslosen, wenn Ein-Euro-Jobber und in andere arbeitsmarktpolitische Maßnahmen geparkte Menschen hinzugerechnet werden. Demzufolge sind in Deutschland knapp 4,3
Mio. Menschen arbeitslos, was einer Quote von 10,1 Prozent entspricht.
Massenarbeitslosigkeit ist also nach wie vor ein besorgniserregendes
Phänomen.
Im Bereich der Agentur für Arbeit Weiden beläuft sich die
Unterbeschäftigungsquote auf 8,2 Prozent. Dem steht die offizielle Quote von 6,5 Prozent gegenüber, welche das wirkliche Ausmaß der
Arbeitslosigkeit schon verschleiert.
Ebenso in den anderen oberpfälzer Arbeitsmarktregionen:
Arbeitsagenturbezirk Regensburg Schwandorf
Offizielle Arbeitslosenquote 3,9 % 5,2 %
Unterbeschäftigungsquote 5,9 % 6,9 %
Zweitens: Der Aufschwung auf dem deutschen Arbeitsmarkt spielt sich hauptsächlich im Bereich atypischer Beschäftigung ab. Mini-Jobs, Leiharbeit und befristete Jobs boomen. Dieser vermeintliche Job-Boom wird erkauft durch die Prekarisierung von Arbeitsverhältnissen, ein Freischein für Unternehmer für das ‚Hire and Fire‘ zu Discounterpreisen. Das ist auch die Problemlage in unserer Region. Der deutsche Arbeitsmarkt ist bereits amerikanisiert: Im Vergleich zu den USA haben wir einen größeren Niedriglohnsektor und sind Europameister im Lohndrücken. Sicherheit für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gibt es schon lange nicht mehr.
Reguläre sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse werden zunehmend zur Mangelware.
Diese Unordnung auf dem deutschen Arbeitsmarkt muss ordnungspolitisch korrigiert werden. Statt eines arbeitsmarktpolitischen Kahlschlags brauchen wir auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels mehr langfristig angelegte Qualifizierungsmaßnahmen für Langzeitarbeitslose.
Um die Marktmacht der Arbeitgeber zu brechen, brauchen wir einen
gesetzlichen Mindeststundenlohn in Höhe von 8,50 Euro, die
Festschreibung des Grundsatzes ‚Gleicher Lohn für gleiche Arbeit‘ in der Leiharbeitsbranche sowie die Abschaffung der sachgrundlos befristeten Beschäftigungen. In anderen Ländern ist das gang und gäbe!