v.r.: Bürgermeister Werner Braun; SPD OV-Vorsitzender Armin Buchner; Rainer Pasta, Sprecher SPD AK Labertal; Ruth Müller, SPD-Kreisvorsitzende Landshut; Pfarrer Thomas Klenner, MdB Florian Pronold; Renate Kuntze, Kreisrätin; Dieter Gipser SPD OV-Mallersdorf; Hartmut Gust und Madlen Melzer stv. SPD OV-Vorsitzende bei der Ausstellungseröffnung
„Dem Rad in die Speichen fallen!“
Bewegender Gottesdienst zur Ausstellungseröffnung
Es war eine bewegende Feier zur Eröffnung der Dietrich-Bonhoeffer-Ausstellung in der evangelischen St.-Paulus-Kirche am Sonntagvormittag. Ein großes Wagenrad prägte den Altarraum und wies auf einen berühmten Satz des evangelischen Pfarrers und Theologen hin, den er bereits im Frühjahr in seinen Schriften und Predigten gegen die Machtergreifung durch die Nazis für die Bekennende Kirche formuliert hatte: „Die dritte Möglichkeit besteht darin, nicht nur die Opfer unter dem Rad zu verbinden, sondern dem Rad selbst in die Speichen zu fallen.“ Pfarrer Thomas Klenner hatte dazu einen bewegenden Familiengottesdienst gestaltet, der musikalisch von Volker Rinza, Euphemia Geiselhöring, beeindruckend begleitet wurde. Dass wir auch in der Gegenwart besonders „die schlichten, einfachen, geraden Menschen brauchen“ (Bonhoeffer), um gefährlichen Entwicklungen in Staat und Gesellschaft in die Radspeichen zu fallen, machten einige Männer und Frauen mit ihren kurzen Beiträgen deutlich, die sie an die Radspeichen hefteten. Zivilcourage zeigen ist eine Lehre aus dem Widerstand bis zum Tod des Dietrich Bonhoeffer gegen das mörderische NS-Regime. Tief bewegende Fotos von halb verhungerten Kindern in KZs entlarvten verharmlosende Parolen der Gegenwart über das Hitler-Regime.
Pfarrer Thomas Klenner ging in seiner Predigt mit der biblischen Erzählung von Kain und Abel zuerst der Frage nach, woher die Gewalt eigentlich komme. Entscheidend sei dafür, dass sich Menschen wie Kain von ihren Nächsten abwendeten und auf sich zurückzögen, um sich dann gegen ihre Mitmenschen zu wenden. Zur Frage Gottes an Kain, „wo ist dein Bruder Abel?, und dessen Antwort („Ich weiß es nicht; soll ich meines Bruder’s Hüter sein?“) stellte Pfarrer Klenner einen aktuellen Bezug zu einer anderen großen Persönlichkeit der Bekennenden Kirche, Pastor Niemöller, her: „Als die Nazis die ersten Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; denn ich war ja kein Kommunist. Als sie die ersten Juden holten, habe ich geschwiegen; denn ich war kein Jude. Als sie die ersten Katholiken holten, habe ich geschwiegen; denn ich war kein Katholik. Als sie mich holten, war niemand mehr da, der für mich hätte rufen können.“ Dietrich Bonhoeffer’s berühmter Satz, „Kirche ist nur dann Kirche, wenn sie für andere da ist,“ sei die Konsequenz aus dem Schweigen der Kirche und der fehlenden Zivilcourage gewesen, sich gegen die Verfolgung und Unterdrückung zu wenden. Entscheidend sei für Dietrich Bonhoeffer deshalb der Glaube an Gott gewesen, der die Menschen in die Lage versetze, auf jede Notlage vertrauensvoll und mutig zu reagieren. „Dem Leben vertrauen heißt Gott vertrauen,“ schloss Pfarrer Klenner seine Predigt. Das vertonte, im Berliner Gestapo-Gefängnis Weihnachten 1944 an seine Mutter und Verlobte geschriebene Gedicht „Von guten Mächten treu und still umgeben“ beschloss den Familiengottesdienst.
Florian Pronold: „Eine menschliche Gesellschaft braucht Zivilcourage und die gelebte Solidarität.“
Den offiziellen Teil eröffnete der Ausstellungskoordinator für Schierling, Hartmut Gust mit Dankesworten an Pfarrer Klenner und die evangelische Kirchengemeinde sowie an die Ausstellungsinitiatoren vom AK Labertal, Ruth Müller und Rainer Pasta. Der stellvertretende Vorsitzend der SPD-Bundestagsfraktion und SPD-Landesvorsitzende Florian Pronold würdigte in seiner kurzen Ansprache den Widerstandskämpfer gegen Unrecht und Gewalt, Dietrich Bonhoeffer. Er habe für seine Überzeugung von Anfang an gekämpft und sei für sie seit 1943 in Gestapohaft gewesen und im KZ Flossenbürg am 9. April 1945 in den Tod gegangen. Die Gefahr für die Demokratie und ihre Werte von Freiheit und Gerechtigkeit sei angesichts des weitverbreiteten rechtsextremen und demokratieverachtenden Gedankengutes in der Bevölkerung sei sehr groß. Umso notwendiger seien daher der Einsatz für die Freiheit und die Zivilcourage der einzelnen Bürgerinnen und Bürger. „Die menschliche Gesellschaft braucht die gelebte Solidarität“, schloss Pronold.
Zweiter Bürgermeister Werner Braun dankte in seinem Grußwort den Initiatoren der Ausstellung und würdigte Dietrich Bonhoeffer, der Zivilcorage, Ehrlichkeit und den Blick ‚von unten‘ aus der Perspektive der Opfer einer gewalttätigen Gesellschaft thematisiert habe. Es habe zu wenige Bonhoeffer’s gegeben. „Man muss damit rechnen, dass die meisten Menschen nur durch Erfahrungen am eigenen Leibe klug werden…Tatenloses Abwarten und stumpfes Zuschauen sind keine christlichen Handlungen,“ zitierte Braun den großen Theologen.
Der SPD-Ortsvorsitzende und Marktrat Armin Buchner schilderte in seiner kurzen Rede zur Ausstellungseröffnung seine bewegende Begegnung mit Dietrich Bonhoeffer an dessen Hinrichtungsstätte im KZ Flossenbürg und zitierte aus dem Augenzugenbericht eines NS-Schergen über das Sterben Bonhoeffers. Dieser habe seine christliche Frömmigkeit mit politischem Engagement für Benachteiligte und Ausgegrenzte verbunden. „Entziehen Sie sich nie der Verantwortung, geben Sie durch Ihr Verhalten auf jede aktuelle Situation mutig eine neue Antwort,“ zitierte Armin Buchner abschließend aus den zwölf Möglichkeiten eines Gottesmannes der evangelisch-lutherischen Landeskirche, den Lebenstil Bonhoeffer’s zu finden.