Ideologien sind des Menschen Todfeind

Veröffentlicht am 27.01.2010 in Europa

Holocaust Mahnmal Berlin

EU-Abgeordneter Ismail Ertug bei Gedenkfeier in Auschwitz: 65 Jahre Befreiung eines Vernichtungslagers

Ein polnischer Häftling hatte sich bei eisigen Temperaturen wie heute aus einem Zementsack ein Hemd geschnitten“, fasst Ismail Ertug Erzählungen Überlebender und Zeitzeugen des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau zusammen. „Ein deutscher Soldat nahm es ihm mit den Worten weg: ,Du hast deutsches Vermögen gestohlen'." Der EU-Abgeordnete aus der Oberpfalz war anlässlich des 65. Jahrestags der Befreiung am 27. Januar 1945 als Mitglied der Israel-Delegation des Europäischen Parlaments vor Ort.

Ort des Grauens

Es ist grauenhaft, wozu Menschen fähig sind. Auschwitz ist der Tiefpunkt der Humanität“, zeigte sich der Abgeordnete von der beklemmenden Atmosphäre des Ortes erschüttert, in dem Kinder, Frauen und Männer nur wegen der wahnhaften Rassenvorstellungen der Nazis systematisch gequält, gefoltert und ermordet worden waren.

„Wir haben das alles schon oft gelesen, gehört und im Fernsehen gesehen – seit heute weiß ich, dass man nichts weiß, solange man nicht diesen fürchterlichen Sog des Grauens an diesem Ort erlebt hat“, empfiehlt Ertug Lehrern und Schulklassen Fahrten nach Auschwitz. „Das ist der richtige Ort zur Konfrontation mit der eigenen Geschichte. Dort sind die Gleise, auf denen die Juden mit Güterwaggons durch das Tor mit der an Zynismus nicht zu überbietenden Aufschrift ,Arbeit macht frei‘ in das Lager gekarrt wurden. Nur 300 Meter weiter das Krematorium – was müssen die verängstigten Menschen bei der Ankunft gefühlt haben?", versucht sich Ertug in die Lage der Opfer zu versetzen.

„Für mich ist die fürchterlichste Vorstellung, dass ganz normale Menschen in der Lage sind, skrupellos zu morden, wenn Staat und Gesellschaft dies legitimieren. Das grauenvolle Bild nackter Leichen auf einem Haufen ist die Konsequenz, vor der wir auch heute nicht gefeit sind."

Jüdisches Leben an der Goldenen Straße

Jede Generation müsse deshalb einen neuen Weg finden, gegen den Geist menschenverachtender Ideologien anzugehen, der sich grundsätzlich gegen jeden richten könne: „Die jeweils anderen, die Andersgläubigen, die Andersdenkenden, die Andersfarbigen können schnell zum Todfeind werden.“ Deshalb sei gute Bildungspolitik so wichtig: „Holocaust-Leugner haben keine Argumente, keine Fakten, sie bauen auf die Vorurteile der Gesellschaft.“

Im Rahmen des Projektes „Goldene Straße“ möchte der Oberpfälzer Politiker einen Beitrag leisten, dass die jahrhundertealte jüdische Kultur in seiner Heimatregion nicht vergessen wird. „Ich setze mich für die Renovierung der Synagoge in Sulzbach-Rosenberg ein und wünsche mir lebendige Museumskonzepte, welche die Spuren freilegen, die jüdische Handwerker, Künstler, Schriftsteller und einfache Arbeiter bei uns hinterlassen haben." Dies sei auch ein Beitrag dazu, jüdisches Leben in Deutschland in seiner ganzen Vielfalt zu zeigen – und damit verbunden auch den ungeheueren Verlust, den sich unser Land durch den systematischen Völkermord selbst zugefügt habe.

Fonds gegen das Vergessen

Jährlich besuchen mehr als eine Million Menschen das ehemalige Konzentrationslager, an dessen Bausubstanz die Zeit nagt. Um den Erhalt des symbolträchtigen Orts zu garantieren, wurde ein Fonds eingerichtet, in den Mitgliedsländer der Europäischen Union einbezahlen. „Ich begrüße es sehr, dass Deutschland sich mit 60 Millionen Euro beteiligt", erklärt Ertug.

Der Gedenkfeier in Auschwitz wohnten Polens Premierminister Donald Tusk, der Präsident des Europäischen Parlaments Jerzy Buzek und Überlebende wie der Rabbiner Rav Israel Meir Lau (ehemaliger Oberrabbi in Tel Aviv) bei. Der russische Präsident Dimitri Medvedev und sein amerikanischer Kollege Präsident Barack Obama sendeten Videobotschaften.

 

Homepage SPD Bezirk Oberpfalz

  

Projekt 2016 - Schuld & Sühne?

„Historischen Themennachmittage" im Labertal

Die intensive Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ist wichtig um die Gegenwart zu verstehen und der Zukunft zu vertrauen. Der AK Labertal will fundierte Geschichtsbewältigung unter sozialdemokratischen Gesichtspunkten anbieten Es gibt nichts zu glorifizieren, nichts zu beschönigen und schon gar nichts zu rechtfertigen. Wir wollen aber auch nicht anklagen und verurteilen - keiner von uns kann heute sagen, wie er sich selbst verhalten hätte, in einer anderen Zeit.

- Rückblick -
Der SPD-Arbeitskreis Labertal hat mit dem „Historischen Themennachmittag“ zur Schierlinger Muna am 24. Januar 2010 begonnen, sich mit den Ereignissen vor 65 Jahren genauer zu beschäftigen. Neben dem „Wunder von Schierling“ sollt der Blick auch auf die Todesmärsche durch das Labertal gelenkt werden.

Die Brüder Gandorfer beschäftigten den AK am historischen Datum 7. November 2010 in Pfaffenberg.

Im Spätherbst 2011 wurde mit "Die Engel von Laberweinting" erneut an das Thema "65 Jahre Kriegsende" angeknüpft. 62 tote Kinder in nur wenigen Monaten, so die Bilanz des Entbindungs- und Kinderheims für Fremdländische.

Der letzte „Historische Themennachmittag“„GELINZT - Euthanasie- Opfer aus dem Labertal“ fand am 4. März in Geiselhöring statt. Das Thema wurde mit einer Informationsfahrt am 14. April an den Gedenkort Hartheim bei Linz abgerundet.

Die Dokumentationen zu den Themennachmittagen (oder den Bonhoeffer-Wochen) sind unter www.agentur-labertal.de zu bestellen!

Projekt 2015 - Flucht, Vertreibung und Asyl

Flucht, Vertreibung und Asyl 1945 / 2015

Sonstiges

 

120 Jahre BayernSPD - Im Dienst von Freiheit und Demokratie Frauen sind in der rechtsextremen Szene keine Seltenheit mehr – sie sind die „nette“ Nachbarin oder betreiben Biolandbau und verkaufen „Deutschen Honig“ und unterwandern so die Gesellschaft mit neonazistischem Gedankengut. Die Ausstellung „Braune Schwestern“ aus Österreich war 2012 erstmals in Niederbayern zu sehen und beschäftigt sich mit der Symbolik, den Liedern und dem Gedankengut der rechtsextremen Frauenszene.