Am 9. September 1906 tragen sich in Schwandorf erstmals Vertreter der Oberpfälzer SPD-Ortsvereine zu einer Oberpfälzischen Sozialdemokratischen Parteikonferenz, der Geburtsstunde des heutigen SPD-Bezirksverbands. 2016 feiert die OberpfalzSPD ihren 110. Geburtstag, der offizielle Festakt findet am 23. Oktober im Aurelium in Lappersdorf statt.
Die Geschichte der SPD in der Oberpfalz begann eigentlich erheblich früher. Schon 1869 gründeten 25 Männer (Frauen war damals parteipolitische Betätigung noch verboten) den Sozialdemokratischen Arbeiterverein Regensburg – den ersten SPD-Ortsverein in der Oberpfalz, nur sechs Jahre nach dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein von Ferdinand Lassalle in Leipzig. Bis 1906 wurden in den damaligen Reichstagswahlkreisen Regensburg, Amberg, Neumarkt, Neunburg und Weiden zahlreiche SPD-Ortsvereine und Sektionen aufgebaut.
Die politischen Ziele der damaligen Zeit wie Frauenwahlrecht und Verbot der Kinderarbeit sind aus heutiger Sicht selbstverständliches Kulturgut, stießen in der Kaiserzeit aber auf erbitterten Widerstand. So ist es kaum vorstellbar, dass konservative Kreise noch 1906 die Kinderarbeit von unter 10-jährigen in Familienbetrieben durchsetzen.
Kampf für soziale Gerechtigkeit
Die OberpfalzSPD kämpft seit ihren ersten Tagen für das politische Mitspracherecht aller mündigen Staatsbürger, für soziale Gerechtigkeit und Arbeiterrechte. Und ein Kampf war es tatsächlich: regelmäßig wurden Besitzbürger und Bauern von der gelenkten Presse, obrigkeitshörigen Beamten und reaktionären Pfarrern aufgehetzt, Versammlungen gestürmt, Umzüge behindert, SPD-Mitglieder und ihre Familien bedroht und angegriffen.
Die Oberpfalz zählte nicht gerade zu den industriellen Ballungszentren Bayerns, die Hochburgen der SPD lagen alle in städtischen Arbeitersiedlungen und die kleinbäuerliche Landbevölkerung unterlag einem streng klerikalen Einfluss.
Vom Untertan zum Staatsbürger
Sozialdemokraten waren verdächtig, weil sie Autoritäten anzweifelten, Obrigkeiten kritisierten und die „Gottgegebenheit“ der Standeshierarchie nicht anerkannten, diese demokratische Weltsicht unterschied sich grundlegend vom Untertanenbild der Konservativen. Oder wie es der frühere Bezirks- und Landesvorsitzende Ludwig Stiegler einmal formulierte: „Die SPD hatte schon den aufrechten Gang, als die bürgerlichen Parteien noch hinter den Monarchen herkrochen“.
Als „Roter“ hatte man es nicht leicht in der „schwarzen“ Nachbarschaft und um Flagge zu zeigen waren Kreativität und Spitzbübigkeit gefragt. Noch heute wird in Kastl die Anekdote vom einzigen „Roten“ erzählt, der in den fünfziger Jahren seinen Hund „Adenauer“ nannte und ihn gerne öffentlich zur Ordnung rief: „Adenauer, Hund damischer!“ oder „Adenauer, du Sauhund, sitz!“.
Null Toleranz mit Rechtsextremen
Keinen Spaß versteht die OberpfalzSPD beim Thema Rechtsextremismus. In der Oberpfalz wurden während der Nazi-Diktatur zahlreiche Sozialdemokraten verfolgt, verhaftet, in Konzentrationslagern gequält und ermordet. Das kollektive Gedächtnis der Sozialdemokraten bewahrt wie keine andere Partei die bitteren Erfahrungen der Nazi-Diktatur und lässt keine Toleranz gegen Rechtsextremisten zu.
Heute: links und bodenständig
Heute besteht der SPD-Bezirk Oberpfalz aus den Unterbezirken (=Bundeswahlkreisen) Amberg, Regensburg, Schwandorf und Weiden und hat 8.000 Mitglieder. An der Spitze steht seit Oktober 2000 der Schwandorfer Jurist Franz Schindler, Landtagsabgeordneter und Vorsitzender des Verfassungsausschusses.
Im SPD-Spektrum stehen die Oberpfälzer Sozialdemokraten eher auf der linken Seite, aber undogmatisch und durchaus bodenständig. So betont man schon mal die Gemeinsamkeiten von SPD-Programmen und katholischer Soziallehre, die deutlicher ausfalle als bei der CSU.
1990 wurde die Sozialdemokratin Christa Meier zur Oberbürgermeisterin von Regensburg gewählt, die erste Frau an der Spitze einer bayerischen Großstadt überhaupt. Mit Joachim Wolbergs wieder ein Sozialdemokrat an der Stadtspitze. Auch der OB von Weiden, der zweitgrößten Stadt der Oberpfalz, Kurt Seggewiß, gehört der SPD an.
In Schwandorf stellte die SPD lange Zeit Oberbürgermeister und Landräte, was auch als Nachwirkung des Kampfes gegen die atomare Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf gesehen wird. In den achtziger Jahren wurde der damalige SPD-Landrat und Bezirksrat Hans Schuierer zur bundesweiten Symbolfigur des Widerstands gegen den Atomstaat.
Vier Landtagsabgeordnete, zwei Bundestagsabgeordnete und drei Bezirksräte stellt die OberpfalzSPD zur Zeit. Die Bundespolitik macht der OberpfalzSPD denn auch am meisten zu schaffen. Vorsitzender Franz Schindler unterscheidet demnach auch zwischen der Partei, die vor Ort sozialdemokratische Politik vertritt und der SPD, die in Berlin in einer großen Koalition regiert, „regieren muss!“, wie Schindler betont.