Konzert gegen Rechts

Veröffentlicht am 12.10.2011 in Veranstaltungen

Die Mitglieder des Aktionsbündnisses „Geiselhöring bleibt BUNT“ mit den Liedermachern Sepp Raith (li.) und Reinhard Peter (re.). Als kleines Dankeschön gab es ein Labertaler Tragerl und das Buch „Mutige Menschen“.

„Es träumt der Mensch zu jeder Zeit von Anstand und von Menschenwürde - Des is doch alles Utopie."
Sepp Raith und Reinhard Peter begeisterten mit „Liedern gegen Rechts“

Geiselhöring (pas): Zum zweiten Mal lud am vergangenen Samstag das Aktionsbündnis „Geiselhöring bleibt BUNT“ zum Konzert gegen (Rechts-) Extremismus ein. Im gut gefüllten Saal der evangelisch/lutherischen Kreuzkirche erlebten die Zuhörer ein Konzert der unvergesslichen Art. Reinhard Peter, Gewerkschafter aus Tegernheim, fesselte mit seiner tiefen inneren Ruhe und eindringlichen Liedern von Konstantin Wecker und anderen Komponisten die Zuhörer, während Sepp Raith, Liedermacher aus Oberbayern, mit kraftvollen Liedern und Gedichten begeisterte - rebellisch, sozialkritisch und hinterfotzig.

Obwohl völlig ohne Verstärker, waren die Stimmen von Reinhard Peter und Sepp Raith gewaltig zu hören. Reinhard Peter ist inzwischen ein guter Bekannter im Labertal und bestritt im Frühjahr das spontane Konzert des Aktionsbündnis „Geiselhöring bleibt BUNT“ mit politischen und sozialkritischen Liedern noch alleine. Das Urgestein Sepp Raith ist seit mehr als 30 Jahren auf der Kleinkunstbühne der Münchner Szene zu Hause und erklärte sich spontan bereit, seinen Kollegen beim diesjährigen Herbstkonzert zu unterstützen. Die zwei sturmerprobten Musikanten gaben sich ein Stelldichein im Pfarrsaal der evangelisch/lutherischen Kirche in Geiselhöring. Die gefühlvollen aber auch frechen Texte ihrer Musik beschäftigten sich mit aktuellen sozialpolitischen Missständen und positionierten sich deutlich gegen Krieg, Gewalt und Extremismus. Vor allem Sepp Raith ist der politische Musikant mit eigenen Gedichten, die er zwischendurch rezitierte.

Die Lieder von Reinhard Peter gingen den Zuhörern unter die Haut, dass es jedem kalt über den Rücken lief. Vor allem dann, als er ein Lied von Konstantin Wecker anstimmte: „Heit hamm´s an Willi daschog´n“ – mit Gitarre und einem unbeschreiblichen persönlichen engagement. Doch auch Balladen von Hannes Wader und Udo Lindenberg gehören zu seinem Liederschatz. Einen besonderen Genuss stellen seine bajuwarisierten Klassiker der amerikanischen Easy-Rider-Generation dar. Ergänzt wurden die Liedbeiträge durch Einblendungen und Informationen der Mitglieder des Aktionsbündnises zu den Symbolen und Produkten der rechtsradikalen Szene – von Büchern über Textilien bis hin zu Musik und Artikeln für Kinder.

Sepp Raith ist ein musikalischer Rebell, der dem Wesen der Baiern und ihrem Verhältnis zur Obrigkeit in kraftvollen, lustigen, derben, aber auch nachdenklichen Liedern und Balladen einen (Klang-)Körper gibt. Ein Musiker, Dichter und Denker, der mit Sarkasmus und Zynismus die Welt beobachtet und aus seinen Beobachtungen echte Gassenhauer schreibt. „Ja, im Bayernland, da nehmen die ‚Duckenten’ überhand. Jeder duckt sich und hält den Mund, besonders wenn der braune Mob die Jugend verführt und den Alten die todbringende Herrlichkeit vorgaukelt.“ Sagt´s und spielt das zornige Lied vom Haberfeldtreiber. Bei allem Klamauk ist die Botschaft unüberhörbar: Man kämpft für ein weltoffenes Bayern in dem jeder der will, seinen Platz finden kann. Mit Wortakrobatik und Wortspielereien brachte er seine Zuhörer immer wieder zum Lachen, auch – oder gerade wenn er gesellschaftliche, politische, wirtschaftliche oder bildungspolitische Probleme aufs Korn nahm. Sepp Raith nahm kein Blatt vor den Mund und kritisierte den angepassten Bürger, der für nichts und niemanden mehr Position beziehen will: „Er hat die Form von einem Zäpfchen, er passt in jeden Arsch.“ In die Seichtheit der Vulgären ließ er sich jedoch nicht ziehen, lieber polterte er gewaltig liebevoll und ungemein witzig durch seinen Programmteil.

Nach über zwei Stunden endet ein fulminanter Musik-Abend. Gestaltet von zwei echten Könnern ihrer Zunft. Mit lang anhaltendem Applaus erbaten sich die Besucher als Zugabe ein kraftvolles Duett. Der Konzertabend zeigte wiederum die Aktivität des Aktionsbündnis „Geiselhöring bleibt BUNT“.


Reinhard Peter (li.) und Sepp Raith (re.) im Duett:

Es träumt der Mensch zu jeder Zeit von Anstand und von Menschenwürde - "Was wollts denn", sangs, "das schaffts ihr nie. Des is doch alles Utopie."
Aber irgendwann is doch so weit, die Menschheit braucht halt ihre Zeit, der Mensch braucht Mut und Phantasie, der Mensch, der braucht die Utopie.

Aba es geht nix von ganz aloa, Mia miaßn scho was dafia doa.

 

  

Projekt 2016 - Schuld & Sühne?

„Historischen Themennachmittage" im Labertal

Die intensive Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ist wichtig um die Gegenwart zu verstehen und der Zukunft zu vertrauen. Der AK Labertal will fundierte Geschichtsbewältigung unter sozialdemokratischen Gesichtspunkten anbieten Es gibt nichts zu glorifizieren, nichts zu beschönigen und schon gar nichts zu rechtfertigen. Wir wollen aber auch nicht anklagen und verurteilen - keiner von uns kann heute sagen, wie er sich selbst verhalten hätte, in einer anderen Zeit.

- Rückblick -
Der SPD-Arbeitskreis Labertal hat mit dem „Historischen Themennachmittag“ zur Schierlinger Muna am 24. Januar 2010 begonnen, sich mit den Ereignissen vor 65 Jahren genauer zu beschäftigen. Neben dem „Wunder von Schierling“ sollt der Blick auch auf die Todesmärsche durch das Labertal gelenkt werden.

Die Brüder Gandorfer beschäftigten den AK am historischen Datum 7. November 2010 in Pfaffenberg.

Im Spätherbst 2011 wurde mit "Die Engel von Laberweinting" erneut an das Thema "65 Jahre Kriegsende" angeknüpft. 62 tote Kinder in nur wenigen Monaten, so die Bilanz des Entbindungs- und Kinderheims für Fremdländische.

Der letzte „Historische Themennachmittag“„GELINZT - Euthanasie- Opfer aus dem Labertal“ fand am 4. März in Geiselhöring statt. Das Thema wurde mit einer Informationsfahrt am 14. April an den Gedenkort Hartheim bei Linz abgerundet.

Die Dokumentationen zu den Themennachmittagen (oder den Bonhoeffer-Wochen) sind unter www.agentur-labertal.de zu bestellen!

Projekt 2015 - Flucht, Vertreibung und Asyl

Flucht, Vertreibung und Asyl 1945 / 2015

Sonstiges

 

120 Jahre BayernSPD - Im Dienst von Freiheit und Demokratie Frauen sind in der rechtsextremen Szene keine Seltenheit mehr – sie sind die „nette“ Nachbarin oder betreiben Biolandbau und verkaufen „Deutschen Honig“ und unterwandern so die Gesellschaft mit neonazistischem Gedankengut. Die Ausstellung „Braune Schwestern“ aus Österreich war 2012 erstmals in Niederbayern zu sehen und beschäftigt sich mit der Symbolik, den Liedern und dem Gedankengut der rechtsextremen Frauenszene.