MdL Franz Schindler: Gewinner wären überregional tätige Großkanzleien
Die vom Justizministerium geplante Zusammenfassung der bisher 29 Insolvenzgerichte in Bayern zu nur noch acht sog. Kompetenzzentren dient nach Angaben des rechtspolitischen Sprechers der SPD-Landtagsfraktion, MdL Franz Schindler, ausschließlich dem Ziel, weitere Stellen bei der Justiz einzusparen. In jedem Regierungsbezirk soll dann mit Ausnahme von Oberbayern, wo zwei Insolvenzgerichte erhalten bleiben sollen, nur noch ein Amtsgericht als sog. Kompetenzzentrum für die Bearbeitung von Insolvenzangelegenheiten zuständig sein. Fast drei Viertel der bisherigen Insolvenzgerichte an den Amtsgerichten sollen dadurch abgeschafft werden.
In der Oberpfalz sind die Amtsgerichte Regensburg, Amberg und Weiden betroffen.
Die bei einer Konzentration der Insolvenzgerichte möglicherweise erzielbaren Synergieeffekte sind nach Ansicht von Schindler nicht so groß, dass sie den weiteren Abbau der Bürgernähe der Justiz rechtfertigen könnten. Schließlich werden an den Insolvenzgerichten nicht nur Unternehmensinsolvenzen bearbeitet, sondern auch Verbraucherinsolvenzverfahren. Nach Mittelkürzungen bei der Schuldnerberatung würde die Abschaffung von mehr als zwei Drittel der jetzigen Insolvenzgerichte bedeuten, dass auch das gerichtliche Insolvenzverfahren für die in der Regel mittellosen Schuldner erschwert werden würde.
Außerdem käme eine Konzentration der Insolvenzgerichte nur den großen, überregional tätigen Rechtsanwaltskanzleien zugute und würde kleinere Kanzleien vom Markt verdrängen. Das Argument, dass „Kompetenzzentren“ erforderlich seien, um die angeblich immer komplizierter werdenden Insolvenzverfahren abwickeln zu können, sei ein Schlag ins Gesicht der jetzt an 29 Amtsgerichten mit der Bearbeitung von Insolvenzangelegenheiten befassten Richter und Rechtspfleger. Nach Ansicht von MdL Schindler fehle es den Insolvenzgerichten nicht an Kompetenz, sondern meistens an ausreichend Mitarbeitern.
Nach der Abschaffung des Bayerischen Obersten Landesgerichts und der weitgehend vollzogenen Schließung der Zweigstellen der Amtsgerichte betätige sich Justizministerin Merk wieder einmal als Justizabbauministerin. Schindler kündigt deshalb an, das Thema nach der Sommerpause intensiv im Landtag zu diskutieren. Ministerin Merk müsse dann auch detailliert darstellen, wie viele Stellen an welchen bisherigen Insolvenzgerichten wegfallen und welche Kosten durch den Aufbau sog. Kompetenzzentren neu entstehen würden. Die bereits beginnenden „Kämpfe“ um die Standorte der geplanten Kompetenzzentren müsse zurückgestellt werden, bis die Grundsatzfrage entschieden sei.