
„Weihnachten sind wir wieder zuhause“ – Das Labertal erinnert sich
Geschichtswerkstatt 1. Weltkrieg am 11./12. Oktober im Heimatmuseum Ergoldsbach
Am Samstag, den 11. Oktober von 13.30 bis 16 Uhr sind die Bürgerinnen und Bürger dazu eingeladen, im Heimatmuseum Ergoldsbach ihre Fundstücke aus Familienbesitz vorlegen. Die Objekte werden dort fotografiert, bewertet und dokumentiert. Sie können danach gleich wieder nach Hause mitgenommen werden - oder für den darauffolgenden Tag der offenen Tür am Sonntag den 12. Oktober von 13.30 bis 16 Uhr ausgestellt werden. „In vielen Familien werden diese Stücke bis heute aufbewahrt - jetzt können sie in einen größeren Zusammenhang betrachtet werden“, so Heimatpfleger Helmut Sigl, der bereits eine eindrucksvolle Ausstellung im Heimatmuseum Ergoldsbach zusammengetragen hat.
Frauen erhalten Hof und Familie
Tausende Männer mussten ihre Arbeitsplätze in Industrie, Staatsdienst und Landwirtschaft verlassen und an die Front ziehen. Erst heute kann man richtig einschätzen, was es für eine schreckliche Zeit für die Familien war, als die Männer in den Krieg an die Front geschickt wurden. Zurück blieben die Frauen, die nun alleinverantwortlich für Haushalt, Hof und Kinder waren. Ab 1915 wurden in zunehmendem Maße Kriegsgefangene auf den Höfen eingesetzt. Die Landwirtschaft sollte trotz sowohl für das eigene Militär als auch für die eigene Bevölkerung Nahrungsmittel in ausreichendem Maße zur Verfügung stellen. Ochsen und Pferde wurden an der Front gebraucht und fehlten auf dem Land. Und es mangelte an Dünger, Futtermittel für die Tiere, Saatgut und Maschinen. Dies ließ sich nicht umsetzen. Frauen gerieten dabei an die Grenzen ihrer physischen und psychischen Leistungen. Nur wenige Dokumente und Fundstücke geben bisher darüber Auskunft. Doch es war auch die Pflicht der Frauen, die Verwundeten zu pflegen, die Genesenden in Obhut zu nehmen, für die Kinder und alten Eltern der im Feld stehenden zu sorgen oder den Behörden Hilfskräfte zu stellen. Der Unterhaltsbeitrag, den der Staat den Familien Eingerückter bezahlte, reichte kaum zum Leben aus. Es galt "aus nichts etwas zu machen". Die staatlichen Stellen versuchen das Volk moralisch durch amtliche Rezepturen für »Kriegssuppen« u. ä. aufzurüsten. Solche offiziellen Rezeptvorschläge versuchen zu zeigen, dass aus dem Allzuwenigen mit etwas Fantasie und Geschick doch noch schmackhafte Speisen herzustellen seien. Als die Lebensmittel ab 1915 immer knapper wurden, litten viele Kinder. Es gab nicht ausreichend zu essen und das, was es zu essen gab, hatte oft eine schlechte Qualität. Viele Kinder hungerten, wurden schwächer und am Ende krank. In den Städten standen Kinder in Schlangen vor Lebensmittelgeschäften, um etwas Butter oder ein paar Eier zu bekommen, die Kinder auf dem Lande hatten es da noch gut. Doch Hunger und Not nahmen stetig zu. Die Folge ist in allen Altersgruppen war eine erhöhte Infektionsanfälligkeit und die „Spanischer Grippe“ kostete nach dem Krieg noch viele das Leben.