MdEP Ismail Ertug: „Einheitliche Standards für Verkehrssicherheit sind wichtig – aber bitte mit Augenmaß“
Gestern verhandelte der Europäische Verkehrsministerrat über Tachographenpflicht und einheitliche Regelungen zur technischen Hauptuntersuchung bei Fahrzeugen. Die europäischen Verkehrsminister folgten bei der Ausnahmeregelung zur Fahrtenschreiberpflicht dem Vorschlag des Parlaments und einigten sich auf einen Radius von 100 Kilometern.
"Nachdem wir die Erweiterung des Ausnahmeradius auf 150 Kilometer im Europäischen Parlament nicht durchsetzen konnten, hat der Rat versäumt, hier eine angemessene Ausnahmeregelung für Handwerker zu erreichen“, kommentiert Ismail Ertug, SPD-Europaabgeordnete für die Oberpfalz und Niederbayern. „Die vom Europäischen Parlament geforderten 100 Kilometer reichen nicht aus, um kleine und mittelständische Unternehmen vor unverhältnismäßig hohen bürokratischen und finanziellen Kosten zu schützen. Jetzt werden wir im Parlament vor der zweiten Lesung noch versuchen, eine bessere Lösung nachzuverhandeln“, erklärt der SPD-Verkehrsexperte weiter.
Der Rat diskutierte auch den Vorschlag der EU-Kommission, ältere Fahrzeuge – sieben Jahre alt oder mehr als 160.000 Kilometer - jährlich zur Hauptuntersuchung zu schicken. Bei grundsätzlich positiver Haltung zu europaweit einheitlicheren Standards der Hauptuntersuchungen gab es Kritik an den kürzeren Prüfintervallen.
Ismail Ertug kritisiert: „In Deutschland wäre rund die Hälfte aller Autos von dieser Regelung betroffen. Besonders Geringverdiener und Menschen, die sich keinen Neuwagen leisten können müssten tiefer in die Tasche greifen. Deutschland hat bereits sehr hohe Standards bei der Überwachung der technischen Verkehrssicherheit, ein zusätzlicher Nutzen ist mehr als fraglich.“
Dass Verkehrssicherheit für ihn aber durchaus eine europäische Angelegenheit ist, macht Ismail Ertug deutlich: „In einem gemeinsamen europäischen Binnenmarkt ist es wichtig, einheitliche Standards für die Fahrzeugsicherheit zu erzielen, damit sich alle frei und sicher im Straßenverkehr bewegen können. Deshalb müssen wir uns auf Mindeststandards einigen, die für mehr Sicherheit sorgen, aber keine unnötige Belastung darstellen. Einheitliche Sicherheitsstandards sind wichtig, aber bitte mit Augenmaß.“