Unterrepräsentanz von Frauen in der Wissenschaft kostet Milliarden
Die Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder erklärt zur Debatte zur Geschlechtergerechtigkeit in Wissenschaft und Forschung: "Es ist ein Trauerspiel, dass die schwarz-gelbe Koalition tatenlos bleibt und konzeptionell blank ist, angesichts der Situation in Wissenschaft und Forschung: Frauen werden nur nachrangig berücksichtigt und wertvolles Potential liegt brach."
Laut einer aktuellen Studie der Prognos AG könnte durch eine Erhöhung der Erwerbsbeteiligung von Hochschulabsolventinnen bis 2015 ein zusätzlicher volkswirtschaftlicher Gewinn von 70 Milliarden Euro generiert werden.
Wie brisant die Unterrepräsentanz von Frauen in der Wissenschaft ist, zeigt schon die Tatsache, dass die Große Anfrage (Drs. 17/7756) von allen Oppositionsfraktionen gemeinsam gestellt wurde. Es besteht dringend Handlungsbedarf. Doch den sieht die Bundesregierung leider nicht. Sie verweist in ihren Antworten lediglich auf Projekte von Vorgängerregierungen, hat keinerlei neue Impulse und vielfach nicht einmal Daten. Dort wo Zahlen fehlen, interpretiert sie blind die Situation als positiv.
So leugnet die Bundesregierung zum Beispiel auch die prekären Arbeitsbedingungen des wissenschaftlichen Nachwuchses, obwohl die Zahlen etwas anderes belegen. Aus der Antwort geht klar hervor, dass Frauen in erheblich höherem Umfang befristet oder in Teilzeit beschäftigt werden als Männer. Außerdem belegen die Zahlen, dass enorm viele Frauen nach der Promotion aus einer wissenschaftlichen Laufbahn aussteigen. Sind unter den erfolgreich Promovierenden noch 44,1 Prozent Frauen, sind es bei den Professorenstellen noch 18,2 Prozent.
Im Zeitraum 2010 bis 2019 werden voraussichtlich im Alter von 65 Jahren insgesamt 11 653 (29,3 Prozent) Professorinnen und Professoren ausscheiden. Mit der Neubesetzung dieser Stellen können entscheidende Weichen gestellt werden.
Fatal ist auch, dass die Bundesregierung nicht nur dort untätig, ist, wo es um Rahmenbedingungen und Förderprogramme geht. Ähnlich problematisch sieht es bei den von der Bundesregierung eingerichteten Beratungsgremien aus. Von 88 Gremien sind gerade mal drei paritätisch und weitere zwei annähernd paritätisch besetzt.
Wir fordern daher unmissverständlich die Bundesregierung auf, die von den Oppositionsfraktionen ausgestreckte Hand zu ergreifen, und gemeinsam etwas für mehr Frauen in Wissenschaft und Forschung zu tun. Unsere Gesellschaft kann es sich nicht länger leisten, dieses enorme Potential brach liegen zu lassen.