Projekt 2016

Schuld & Sühne? - Wanderausstellung zur Aufarbeitung der NS-Gewaltverbrechen

Wanderausstellung „Schuld und Sühne?“

Der SPD-Arbeitskreis Labertal präsentiert exklusiv eine Ausstellung des Bayerischen Staatsarchivs - Die „Akte Rosenburg“die zeigt aktuell, dass nach dem Zweiten Weltkrieg viele Alt-Nazis führende Positionen im Justizministerium bekamen, beweist die Aktualität des Themas.

Die Ausstellung des Staatsarchivs München zeigt anhand 12 Tafeln die Ermittlungen und Strafverfahren wegen Nationalsozialistischer Gewaltverbrechen (NSG). Exklusiv für die Präsentation im Labertal wurden Fälle aus Niederbayern dazu genommen. Mit zwei eigenen Tafeln ergänzt der AK Labertal die Ausstellung um die Themen „Standgerichte“ und „Die toten Engel von Laberweinting“. Zeitgleich wird die „Akte Rosenburg“ veröffentlicht, in der nachgewiesen wird, dass im Bundesjustizministerium in den Nachkriegsjahren mehr Leitungspositionen von Alt-Nazis besetzt waren als angenommen. Mehr als die Hälfte der Führungskräfte waren vorher bei der NSDAP, jeder fünfte war bei der SA. "Die Akte Rosenburg ist bedrückend", bilanzierte SPD-Minister Heiko Maas. „Noch aktueller kann man mit einem Thema nicht sein“, erklärt Rainer Pasta, Sprecher des AK Labertal, der schon mit der Ausstellung „Flucht, Vertreibung und Asyl“ 2015 ein TOP-aktuelles Thema getroffen hatte.

„Die NS- Gewaltverbrechen und ihre Aufarbeitung nach dem Zweiten Weltkrieg sind das Thema des SPD-AK Labertal im Jahr 2016“, so Karin Hagendorn, stellvertretende Sprecherin das Arbeitskreises. „Ein dunkles Kapitel in unserer deutschen Geschichte und wir werden daran erinnern, damit das nie wieder passiert“. Das Staatsarchiv München stelle dem AK Labertal die Ausstellung „Schuld und Sühne“ zur Verfolgung von NS- Gewaltverbrechen zur Verfügung. „Sie wurde am 6. Mai 2014 zum ersten Mal in München gezeigt und wird für die Ausstellungsreihe im Labertal um niederbayerische Fälle ergänzt“, so Hagendorn.

Unmittelbar nach Kriegsende begannen die Alliierten mit der Verfolgung der NS- Kriegsverbrecher und hatten innerhalb von zwei Jahren bis 1947 bereits 20.000 Personen als Verdächtige erfasst. Im November 1945 begannen die Prozesse gegen die Hauptkriegsverbrecher in Nürnberg. Es wurden Todesstrafen und lebenslängliche Haftstrafen ausgesprochen, 50.000 NS- Täter wurden abgeurteilt. Nach dem Gnadenerlass von US- Hochkommissar John Mc Clay am 31. Januar 1951 wurden fast alle Angehörigen von NS- Führungsgruppen aus Landsberg/L. entlassen. Das Straffreiheitsgesetz (Amnestiegesetz) vom 17. Juli 1954 entlastete viele und stellte sie als Handlanger und Befehlsempfänger des NS- Regimes hin, die nur ihre Pflicht erfüllt hatten und sich somit selbst in einem gewissen Maße als Opfer sahen. Man wollte einen Schlussstrich unter diese schreckliche Vergangenheit setzen und hoffte damit auf einen Neuanfang. Aus Politik und Justiz hatte man kein großes Interesse an weiterer Strafverfolgung, zumal viele NS- belastet waren.

Erst 1958 also 13 Jahre nach Kriegsende wurde die „Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltung zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen“ eingerichtet. Sie versucht auch heute noch hochbetagte lebende SS- Veteranen vor Gericht zu stellen. Der bekannteste Fall in den letzten Jahren war der gegen John Demjanuk.

Es wurde immer wieder nachgebessert, verschleiert und amnestiert

„Als ernüchterndes Resümee kann man leider ziehen, dass über 95 Prozent der Ermittlungsverfahren eingestellt wurden, sie kamen meistens zu spät zustande oder es fehlte auch an Beweisen“, so Hagendorn weiter. Die Dimension der Gewaltverbrechen des NS- Staates überstiege jegliche Vorstellungskraft, man hatte es mit 100.000den von Tätern zu tun. Hagendorn: „Es gab in der jungen Bundesrepublik keine ausreichenden Gesetze, deshalb wurde immer wieder nachgebessert, aber auch verschleiert und amnestiert“. Der AK Labertal bekommt die Ausstellung ab Mitte September und hofft, dass, wie bei den bisherigen Ausstellungsreihen, großes Interesse hervorgerufen werden kann.

Die Ausstellung des Staatsarchivs München gibt einen Einblick in die Verfahrensabläufe vor Gericht und stellt einige Prozesse vor, die aus der Masse der Strafverfahren herausragen. Ein großer Abschnitt der Ausstellung widmet sich den Verbrechen im Konzentrationslager Dachau, deren juristische Aufarbeitung ausschließlich in den Zuständigkeitsbereich der Staatsanwaltschaft München II fiel. Die Nazis hatten das KZ Dachau zu einem Musterlager ausgebaut, das allein durch seine Existenz Schrecken unter der Bevölkerung verbreiten sollte. Regimegegner wurden dort zum Schweigen gebracht, nachweislich 31 591 Häftlinge fanden in Dachau den Tod. Diese Verbrechen beschäftigten die Staatsanwaltschaft München II bis in die 70er Jahre.

Ein weiterer Abschnitt widmet sich beispielsweise NSG-Verfahren, deren Überlieferung man nicht in den Beständen eines für Oberbayern zuständigen Staatsarchivs vermuten würde. Sie betreffen den Tod von Stalins Sohn Jakob Dschugaschwili, die Ermordung von Edith Stein und dem Hitlerattentäter Georg Elser.

Die aus Niederbayern aufgenommenen Fälle betreffen Cäcilie Wühr, Josef Fritz, Ottilie Meindl und Nikolaj Sanian aus Drachselsried/Viechtach sowie Agnes Schober aus Regen und die KZ-Nebenlager Passau I (Oberilzmühle) und Passau II

Um die regionale Komponente in die Ausstellung einzubringen hat der AK Labertal die 12 Ausstellungstafeln des Bayerischen Staatsarchivs zu zwei weitere Tafeln ergänzt. Die Standgerichtsprozesse zur Ermordung von Domprediger Johann Maier, Regensburg;  Regierungsrat Dr. Franz Seiff, Landshut sowie Friedrich Beutlhauser und Alois Huber, Ittling. Aber auch die die fehlende gerichtliche Aufarbeitung zu den Vorkommnissen im Polenkinderlager Laberweinting und die Entnazifizierung werden thematisiert.

"Die Akte Rosenburg - Das Bundesministerium der Justiz und die NS-Zeit"

Bis zu 77 Prozent der leitenden Beamten waren ehemalige NSDAP-Mitglieder. Das geht aus dem Abschlussbericht der Kommission "Die Akte Rosenburg - Das Bundesministerium der Justiz und die NS-Zeit" hervor. Demnach gab es eine hohe personelle Kontinuität zwischen der Nazi-Justiz und der jungen Bundesrepublik. Die Zahl sei höher als erwartet, sagte der Leiter der Historiker-Kommission, der Rechtswissenschaftler Christoph Safferling. Die Spitze sei 1957 erreicht worden. Von 170 Juristen, die zwischen 1949 und dem Anfang der 70er Jahre in Leitungspositionen gewesen seien, gehörten 90 der NSDAP an, wie die frühere Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) im Deutschlandfunk sagte. 34 von ihnen seien zugleich im Nazi-Schlägertrupp SA gewesen.

Der Bericht macht nach Angaben des Justizministeriums auch deutlich, zu welchen Folgen die personelle Kontinuität führte. Die Strafverfolgung von NS-Tätern sei hintertrieben, die Diskriminierung einstiger Opfer wie Homosexuelle oder Sinti und Roma fortgesetzt worden. Zudem seien Gesetze etwa im Jugendstrafrecht nur "oberflächlich entnazifiziert" worden. Ab 1959 habe die Bundesregierung sogar ein geheimes Kriegsrecht entworfen.

Die wissenschaftliche Kommission hatte die damalige Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) vor viereinhalb Jahren eingesetzt. Auftrag war es, die Kontinuität des nationalsozialistischen Deutschlands im Handeln des Ministeriums in den Nachkriegsjahren zu untersuchen. Ein Schwerpunkt sollte dabei die Frage sein, wie weit der Einfluss personeller NS-Kontinuität in den 1950er und 1960er Jahren in der "Rosenburg", dem ersten Dienstsitz des Bundesjustizministeriums, tatsächlich ging.

Zur Ausstellung „Schuld und Sühne?“ im Staatsarchiv erschien ein Katalog (ISBN 978-3-938831-43-4 )  € 5.00 140 Seiten, sw-Abb. im Text

Termine 2016

4. - 7. Oktober 2016 - Rohr/Ndb. - Johannes-Nepomuk-Gymnasium

Ausstellungseröffnung am 4.10. 10 Uhr mit Dr. Christoph Bachmann, Leiter des Staatsarchives München

Abendveranstaltung der Rohrer SPD am Do., 6. Oktober, 19 Uhr, mit Johanna Werner-Muggendorfer, MdL

 

10. – 21. Oktober 2016 - Neustadt/Donau - Evangelische Kirchengemeinde im Haus I.R.E.N.E., evang. Gemeindehaus

Stifterstraße 25, 93333 Neustadt/Do.

Ausstellungseröffnung am Mo,10. Okt., 14.30 Uhr

mit Johanna Werner-Muggendorfer, MdL und Pfarrer Dr. Michael Murrmann-Kahl

 

22. - 30. Oktober 2016 - Ergoldsbach – Rathaus-Foyer

Ausstellungseröffnung am 24.10., 18 Uhr mit ruth Müller, MdL

 

31. Oktober - 1. November – Aufhausen - Gemeindezentrum

Ausstellungseröffnung 31.10., 19 Uhr

 

6. November - Rottenburg, Bürgersaals am Kapellenplatz

Ausstellungseröffnung 6.11., 13 Uhr anlässlich des Martini-Marktes

 

14. - 17. November 2016 – Straubing - Wirtschaftsschule Kasberger-Wildmann

 

18. November 2016 - Mallersdorf-Pfaffenberg - Haus der Generationen

Ausstellungseröffnung am 18.11. um 17 Uhr, anschließend Verfassungsempfang der SPD-Landtagsfraktion mit Markus rinderspacher und Ruth Müller, MdL

 

19. November - 11. Dezember – Geiselhöring – evangelische Kirche

Ausstellungseröffnung: 21.11., 19 Uhr

 

12.-20. Dezember 2016 – Regensburg - Private Schulen Breitschaft

Ausstellungseröffnung: 12.12., 19 Uhr

 

Weitere Termine 2017:

23.01.-05.02.2017 in Gröbenzell

anschließend in Neutraubling


 
 
 

Der AK Labertal stellt sich vor:

Im Herbst 2008 schlossen sich die SPD-Ortsvereine im Labertal zu einem Aktionsbündnis zusammen. Gegenseitige Unterstützung sowie die Optimierung der Synergieeffekte, die gemeinsames Handeln bieten, waren Motivation und Ziel der Initiative. Mit Einbindung der SPD-Mandatsträger in der Region Labertal gelang es zum Europa- und Bundeswahlkampf, eindrucksvolle Informationsabende zu veranstalten. Mit der Wanderausstellung "Rechtsradikalismus in Bayern" die 2009 und 2010 in der Region flächendeckend gezeigt werden kann, positioniert sich der AK, wie zur Gründung beschlossen, deutlich gegen rechtsradikale Tendenzen in der Region. Auch die Ausstellungsreihe "gerade Dich, Arbeiter, wollen wir" - in Zusammenarbeit mit dem DGB - war ein Erfolg. Neben den Historischen Themennachmittagen hat sich der AK mit den Bonhoeffer-Wochen als die "kreativste und kompetenteste gesellschaftliche Gruppe" im Labertal präsentiert und die Menschen in der Region erreicht. Bei der Vergabe des Wilhelm_Dröscher-Preises 2011 musste sich der AK Labertal in der Kategorie "Kampf gegen Rechtsextremismus" nur Storch Heinar geschlagen geben Für den noch jungen AK Labertal und die 14 SPD- Ortsvereine des Großen und Kleinen Labertales ist der 3. Preis eine großartige Auszeichnung. Und für die SPD im Labertal ist die Präsentation beim Parteitag und die Bronzemedaille Ansporn und Auftrag, sich für die Menschen in der Region einzusetzen und ihnen die Grundwerte und die Politik der Sozialdemokratie zu vermitteln und ans Herz zu legen. Neben politischen Aktionen auf kommunaler, Landes-, Bundes- und Europaebene darf die Geselligkeit nicht zu kurz kommen. So treffen sich die Mitglieder im AK-Labertal regelmäßig zu geselligen Veranstaltungen mit den Nachbarvereinen. Zu allen Aktivitäten des AK Labertal ist die interessierte Bevölkerung herzlich eingeladen.

 

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